Sirnach

Polit. Gem. TG, Bez. Münchwilen. S. liegt im Murgtal und ist das Tor zum Tannzapfenland. 1803-1996 bestand die Munizipalgem. S. aus den Ortsgem. Busswil, Eschlikon, Hofen-Holzmannshaus (bis 1871), Horben bei Sirnach (ab 1812), S., Wallenwil und Wiezikon, bis 1949 gehörten auch Münchwilen, Oberhofen und St. Margarethen dazu. 1997 vereinigte sich die Munizipalgem. S. mit den Ortsgem. Busswil, Horben bei S. (z.T. an Eschlikon), S. und Wiezikon zur polit. Gem. S. 790 Sirinach. Polit. Gem.: 2000 6'359 Einw. Ehem. Munizipalgem.: 1850 3'018 Einw.; 1870 3'140; 1880 3'265; 1900 4'418; 1941 7'362; 1950 5'432; 1990 8'711. Ehem. Ortsgem.: 1850 500 Einw.; 1900 1'220; 1950 2'731; 1990 4'659.

Das Kloster St. Gallen besass im 9. Jh. in S. Güter, die 882 z.T. an den Bf. von Konstanz übergingen. Später verfügten auch andere Klöster über Güter, u.a. gelangte 1253 der Kehlhof an Fischingen. S., dessen Offnung von 1409 datiert, gehörte mit Büfelden und Gloten zum Amt Tannegg, das 1693 an das Kloster Fischingen überging (bis 1798). Die Kirche und der zugehörige Hof waren dem Domstift zugeteilt. Die Pfarrei S. umfasste das ganze Gebiet der ehem. Munizipalgemeinde (in den Grenzen von 1812 bis 1949) sowie bis 1645 Trungen. 1216 wird erstmals ein Leutpriester erwähnt. 1362 wurde die Kirche dem Kloster Fischingen inkorporiert. 1529 übernahm die Pfarrei die Reformation, 1568 wurde aber die Messe wieder eingeführt, sodass bis 1934 ein Simultanverhältnis herrschte. Das kath. Kollaturrecht ging 1697 an das Domkapitel Konstanz und fiel 1804 an den Kt. Thurgau; das ref. Kollaturrecht übernahm der Kt. Thurgau 1806 von Fischingen. Beide Rechte gingen 1831 an die jeweilige Kirchgemeinde. Das ref. S. trennte sich 1936 von Münchwilen-Eschlikon und errichtete 1937 eine Kirche.

Bis ins 19. Jh. wurde in S. Acker- und Wiesenbau in drei Zelgen betrieben. Die um 1300 erw. Mühle war bis 1857 in Betrieb. Nach Eröffnung der Bahnlinie Zürich-St. Gallen 1855-56 gewann S. rasch an Bedeutung: 1857 erfolgte die Gründung der Weberei S., die zeitweise über 300 Personen Arbeit bot und bis 1981 aktiv war. Die 1888 als Gewerbebetrieb gegr. Möbelfabrik Müller & Co. AG entwickelte sich um 1900 zur Fabrik (ab 1977 Neue Möbelfabrik Müller AG), beschäftigte 1914 70 Arbeiter und produzierte bis 1992. Die Bertschinger Textilmaschinen AG (ab 1984 Werk der Rieter AG) siedelte sich 1954 in S. an. Sie zählte 1959 160, 1977 235 und um 1980 200 Mitarbeitende und produzierte bis zu ihrem Wegzug 1994 u.a. Kämmmaschinen. Die Eröffnung der A1 1969 brachte Bevölkerungszuwachs sowie neue Industrien und Gewerbe.


Literatur
Kdm TG 2, 1955, 311-318
S. - Sereniacum ... von einst bis heute, 1979-
– K. Hasler et al., 50 Jahre Werk S., [2005]
Thurgauer Ztg., 29.5.2010

Autorin/Autor: Erich Trösch