Bussnang, von

Thurgauer Freiherren des 12.-15. Jh. mit Besitzschwerpunkt um B. und Weinfelden. Wohnsitz war bis zu Beginn des 15. Jh. die Burg B. Die Fam. unterhielt enge Beziehungen zum Bistum Konstanz und zur Abtei St. Gallen, von denen sie Lehen und Pfandschaften innehatte und in welchen sie wiederholt wichtige Positionen belegte. Im 14. Jh. lehnten sich die B. vermehrt auch an Habsburg-Österreich an. Erster bekannter Vertreter ist Albrecht (erw. 1150-80), v.a. als Zeuge für den Bf. von Konstanz, so auch für seinen mutmassl. Bruder Berthold ( -> 1). Nach dem Tod Albrechts 1216, vermutlich Sohn des erstgenannten Albrecht, wurde das Erbe der Fam. zwischen dessen Söhnen Albrecht und Heinrich geteilt, ein Teil des Besitzes weiterhin gemeinsam verwaltet. Heinrich und dessen Nachkommen bildeten fortan einen selbstständigen Familienzweig, benannt nach ihrer Burg Griesenberg. Im Gegensatz zu diesem vermochten die von B. ihren Besitzstand nicht zu erweitern. Allerdings besetzten sie weiterhin wichtige kirchl. Positionen, so Konrad ( -> 2) als Abt von St. Gallen, sein Neffe Berchtold als Domherr in Chur und Konstanz sowie Chorherr in Zürich, Elisabeth (belegt 1307-18) und Margaretha (1422) als Äbtissinnen von Säckingen und Anna 1398-1404 als Äbtissin des Zürcher Fraumünsters. Ebenso betrieben die B. eine geschickte Heiratspolitik (u.a. im 13. Jh. mit den Wartenberg und den Gf. von Toggenburg, im 14. Jh. mit den Hohenklingen, Altenklingen und Enne), die wirtschaftlich aber nicht besonders ertragreich war. Um 1420 begann die Fam. mit der Liquidation ihres Besitzes, die beim Tod Konrads, des letzten bekannten männl. Vertreters der Fam., 1471 fast abgeschlossen war.

Besitzschwerpunkt der Linie von Griesenberg war der westl. Teil des Stammbesitzes mit der namengebenden Burg. Eine enge Beziehung verband die Fam. bis um 1300 mit den St. Galler Äbten Konrad ( -> 2) und später Wilhelm von Montfort, mit dessen Nichte Adelheid Heinrich (belegt 1285?-1324) verheiratet war. Im Gegenzug übernahm die Fam. verschiedene äbt. Lehen und Pfandschaften, so erstmals 1269 der mit einer Regensbergerin verheiratete Albrecht, Onkel Heinrichs, als Pfand einen Zins in Dürnten und Mönchaltorf. Ende des 13. Jh. unterstützten die Griesenberg Abt Wilhelm in dessen langjähriger Fehde mit den Kg. Rudolf I. und Albrecht I. von Habsburg und mussten die Zerstörung von Alt-Griesenberg wie auch der äbt. Lehensburgen Wildberg (Gem. Jonschwil) und Iberg hinnehmen. Neuer Wohnsitz wurde die um 1291 erbaute Burg Neu-Griesenberg. Als Entschädigung erhielten Heinrich und sein Vetter Lütold vom Abt pfandweise die Höfe Bazenheid und Rickenbach (TG) sowie für einige Jahre die Stadt und den Hof Wil (SG), die aber 1302 u.a. durch die Vogtei Bernhardzell ersetzt wurden. Nach dem Ausgleich des neuen Abtes mit Habsburg trat auch Heinrich in österr. Dienst, war Vertrauter der Witwe Kg. Albrechts I. und des jungen österr. Hzg. Leopold I. von Habsburg und hatte u.a. das Amt eines Landvogts im Aargau inne. Nach dem Tode Lütolds 1324, des Letzten der Linie, übernahm dessen Tochter Adelheid (verheiratet mit Diethelm V. von Toggenburg) den Grossteil des Besitzes. 1371 fiel das Erbe an ihre Tochter Clementa und deren Gatten Heinrich von Hewen.


Literatur
– P. Bütler, «Die Frh. von B. und von Griessenberg», in JSG 43, 1918, 1-89
GHS 4, 51-63, 83-96, (mit Stammtafel)

Autorin/Autor: Martin Leonhard