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Melchnau

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Aarwangen. Die Gem. an der Grenze zu Luzern umfasst das Dorf und Einzelhöfe. 1194 Melchinove. 1764 628 Einw.; 1850 1'478; 1900 1'347; 1950 1'529; 2000 1'669. Funde im Weiler Langhäusern (undatierte Feuersteinschaber) und im Fälimoos (latènezeitl. Regenbogenschüsselchen). Über dem Dorf liegen die Ruinen des bedeutenden dreiteiligen Burgenkomplexes Grünenberg-Schnabelburg-Langenstein, vom 12.-15. Jh. jeweils Sitz der gleichnamigen Freiherren und Kern ihrer Herrschaft (Grünenberg). Im SpätMA war M. eine der Dingstätten des Landgerichts Murgeten; das Niedergericht gehörte der Herrschaft Grünenberg, von der es mit Gütern und Rechten in zwei Schritten 1444 und 1480 an Bern überging und mit Gondiswil, Busswil und Aerbolligen (heute Gem. Auswil) ein Niedergericht der Landvogtei Aarwangen bildete. 1798 kam die Kirchgem. M. (ohne Aerbolligen) zum Distrikt Langenthal, 1803 wieder zu Aarwangen (Oberamt, ab 1831 Amtsbez.).

Bis zur Reformation zählte M. zur luzern. Pfarrei Grossdietwil. Die Georgskapelle der Burg Grünenberg, deren Kaplaneirecht 1480 an Bern gelangte, diente vermutlich auch der Bevölkerung; nach ihrem Zerfall wurde 1508-12 ein Gotteshaus am Fuss des Schlossbergs errichtet (Neubau 1709), das nach der Verselbstständigung der Kirchgem. M. zur Pfarrkirche wurde. Zur Kirchgem. M. gehören auch Busswil, Gondiswil und Reisiswil.

Im 18. und 19. Jh. boten Leinenweberei, Strohflechterei und Schuhfabrikation (bis in die 1960er Jahre) Zusatzverdienst zur Landwirtschaft. Güterzusammenlegung und Gründung der Spar- und Leihkasse 1941 förderten eine durchmischte Wirtschaftsstruktur; die 1925 gegr. Teppichfabrik ist seit 1992 Teil der Firma Lantal Textiles, die Stoffe für Fahr- und Flugzeuge produziert. 1982 ersetzte ein Busbetrieb die Schmalspurbahn Langenthal-M. von 1917; er dient dem Schülertransport nach Langenthal sowie den Pendlern. Von den 1940er Jahren an wurden die Quartiere Sonnhalde, Büntenrain, Gjuch und Hägi errichtet.


Literatur
Der Amtsbez. Aarwangen und seine Gem., 1991
– B. Mutter, Bauinventar der Gem. M., 2000
– L. Wenger et al., M. auf dem Weg, 2000

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler