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Toggenburg, von (SG)

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Ab ca. 1200 fassbares Freiherrengeschlecht (ab 1209 Grafen), das erstmals als Toccanburg, dann als Tochimburc in den Quellen auftritt. Der genealog. Zusammenhang mit den im 11. und 12. Jh. in teils zweifelhaften Quellen nach den T. benannten Herren, deren Wirkungsbereich und Verwandtschaftsnetz vom Raum St. Gallen über die Gegend von Wil (SG), das untere T., den Zürichgau und Schaffhausen bis weit in den süddt. Raum reichte, ist unklar. Eine Herkunft der Fam. aus dem Zürichgau oder dem süddt. Raum ist denkbar. Die genealog. Zusammenhänge zwischen Diethelm (erw. 1176?-1205/07) und Diethelm (erw. 1210?-ca. 1230), der mit Guta (von Rapperswil?), möglicherweise identisch mit Idda ( -> 2), verheiratet gewesen sein soll, bleiben ebenfalls ungeklärt. Die beiden waren um 1200 am Erbe mehrerer Adelsgeschlechter (u.a. der von Alt-Rapperswil) beteiligt und standen unter landesherrl. Druck des Klosters St. Gallen, des Bf. von Konstanz und der Gf. von Kyburg. Die Erbkonflikte führten u.a. zur Stiftung der religiösen Gemeinschaften von Bubikon, Rüti (ZH), Oberbollingen und Wurmsbach. Im Rahmen der Auseinandersetzungen mit St. Gallen - in diesem Zusammenhang geschah 1226 der legendäre Brudermord Diethelms (erw. 1209-36/47) an Friedrich (erw. 1214-26) -, verloren die T. Wil und die Festen Alt-T., Luterberg, Lütisburg und Uznaberg. Zwischen 1228 und 1292/99 gingen die Vogteien über St. Johann im Thurtal, Fischingen und Embrach verloren. Die Neu-T. wurde zum Herrschaftszentrum. Unter dem letztgenannten Diethelm und dessen Erben konnte das Geschlecht seine Position im unteren T. dank der Verschwägerung mit gräfl. Geschlechtern (von Montfort, von Werdenberg, von Frohburg-Homberg) konsolidieren. Die Fam. demonstrierte eine autonome, nicht von Landesherren hergeleitete Fähigkeit zur Gewaltausübung, etwa mit Kraft I. ( -> 5), dem Sohn des letztgenannten Diethelm, und seinem Sohn Friedrich (erw. 1260-1303/05). Einzelne Familienmitglieder betrieben eine geschickte Versorgungspolitik, so Diethelms Söhne Berchtold und Rudolf. Ersterer wurde Kanoniker in Embrach, letzterer erfolgloser Abt in St. Johann. Heinrich, Friedrichs (erw. 1214-26) Sohn, war u.a. in Bubikon Johannitermeister. Zudem profitierten die T. von der für Österreich peripheren Lage ihrer wichtigsten Herrschaftsrechte zu jener Zeit. Ab dem späten 13. Jh. intensivierten sie ihre Herrschaft durch Stadtgründungen (Lichtensteig und Uznach), die Einführung dynam. Abgaben (Vogtsteuer) und durch den Aufbau einer kleinen, schlagkräftigen Dienstmannschaft. Mit Friedrich (erw. 1260-1303/05) und Friedrich (erw. 1286-1315) wurden die T. spätestens ab 1292 zu den wichtigsten Militärunternehmern der Region. In ihre Fussstapfen traten später die Söhne des Letztgenannten, Friedrich (erw. 1315-64), der mit Kunigunde von Vaz verheiratet war, und Diethelm (erw. 1319-37), dessen Frau Adelheid von Griesenberg wurde. Die Fam. verfügte dadurch über liquide Mittel und profitierte entsprechend als Kapitalgeber. Sie erwarb pfandweise Herrschaftsrechte und pflegte Beziehungen nach Zürich und Rom.

Der 1286 erstmals erw. Kraft III. amtierte als Propst am Grossmünster, unehelich geborene Söhne wurden verpfründet. Kapital, Militärkompetenz und regionales Prestige verschafften Friedrich (erw. 1315-64) entscheidende Vorteile in der Auseinandersetzung um das Vazer Erbe. Gleichzeitig hatten die T. eine hohe Kompetenz in der Friedenswahrung. Sie wirkten u.a. für Zürich, Österreich und die Herren von Werdenberg als Schiedsrichter.

Im 14. Jh. vergrösserten sich die Herrschaftsrechte der Fam. durch den Erwerb von Eigentum und Pfändern markant. Im Südosten erwarben sie das Obere T., Besitzungen im Prättigau, im Schanfigg und im Raum Maienfeld, Davos, Belfort und Churwalden, dann am Zürichsee die Vogtei in Erlenbach (ZH), die Burg Grynau, Tuggen und Wangen (SZ), als österr. Pfänder Alt- und Neu-Rapperswil, ferner die Vogtei Einsiedeln samt Wägital und March, im Norden die Herrschaften Spiegelberg und Tannegg sowie die Vogtei Fischingen. Ab dem späten 14. Jh. gelangten grosse habsburg. Schuldpfänder durch Kauf in den Besitz der T., so 1384 Kyburg bei Winterthur, 1406 Sargans, Windegg, Freudenberg und Nidberg, nach 1415 Feldkirch, 1424 Altstätten, Rheineck und Bregenzerwald. 1394 wurde die Herrschaft zwischen Donat (erw. 1353-1400), dem Sohn des letztgenannten Friedrich, und Friedrich VII. ( -> 1), dem Sohn von Donats Bruder Diethelm (erw. 1353-85), geteilt.

Nach Donats Tod drohte die Zersplitterung des Erbes. Friedrich VII. kaufte jedoch 1401 das gesamte Erbe mit Ausnahme von Tannegg, Lommis und Kyburg von Donats Tochter Kunigunde (erw. 1387-1425). Die damit einsetzende Verlagerung der Familienpolitik aus dem zürcher. Raum hinaus nach Osten verstärkte sich 1436, als Friedrich VII. als letzter Gf. von T. kinderlos starb, nachdem er weitere Rechte im Schanfigg aus dem Erbe der Matsch erworben hatte. Seine Gattin Elisabeth von Matsch sah sich vorerst als Alleinerbin, begab sich dann angesichts der komplexen Erbsituation - Pfandansprüche Österreichs neben oberlehensherrl. Forderungen des Reiches und diversen Erbansprüchen entfernter Verwandter - unter Zürcher Schutz. Österreich löste versch. Pfänder zurück, das Reich verzichtete 1439 auf seine Ansprüche. Die Stammlande der Herren von T. gelangten an die Herren von Rhäzüns und von Raron, weitere Allode an die Herren von Montfort-Tettnang, von Sax-Misox, von Brandis und von Aarburg. Die genauen Umstände dieser Erbprozesse sind nicht genügend geklärt. Strittige Fragen um einige Pfänder des Letzten der Gf. von T. trugen zur Entstehung des Alten Zürichkriegs bei.


Quellen
QSG NF, 1. Abt., VII/10, 8-17
Literatur
GHS 1, 44-53
– A. Bodmer, «Verwandtschaft und Erbfolge des letzten Gf. von T.», in SAHer 69, 1955, 1-25
– E. Eugster, «Die Herren von T.», in Wirtschaft und Herrschaft, hg. von T. Meier, R. Sablonier, 1999, 311-342
SGGesch. 2, 103-128

Autorin/Autor: Erwin Eugster