Sulz, von (Grafen)

Grafengeschlecht in Süddeutschland. Die S. werden im ausgehenden 11. Jh. erstmals erwähnt. Sie waren Parteigänger der Hzg. von Zähringen und der Staufer. Der Schwerpunkt ihrer Herrschaft lag anfänglich bei S. am Neckar im Gebiet zwischen Schwarzwald und Schwäb. Alb. Teile des dortigen Besitzes gingen vermutlich Mitte des 13. Jh. durch Heirat an die Herren von Geroldseck über. Als habsburg. Gefolgsleute wurden Mitglieder der Fam. vor 1300 Hofrichter in Rottweil, ein Amt, das sie ab 1360 als erbl. Reichslehen innehatten. Unter Hermann (ca. 1360-1430) bauten sich die Grafen ein neues Standbein am Hochrhein auf. Hermann war 1407-11 habsburg. Landvogt in den Vorlanden und spielte in den Appenzeller Kriegen eine wichtige Rolle. 1408 verheiratete er seinen Sohn Rudolf mit der Erbtochter des Gf. Johann von Habsburg-Laufenburg - ein Schachzug, der zum Konflikt mit Hzg. Friedrich IV. von Habsburg führte. Erst 1415 brachten die S. den habsburg.-laufenburg. Klettgau endgültig in ihren Besitz. 1482 erwarben sie Tiengen, 1488 Jestetten und 1497 Küssaburg (Baden, D) und erweiterten damit ihr Kerngebiet; als Grablege und Sitz der Verwaltung war Tiengen fortan zentraler Ort der gräfl. Herrschaft. Versuche zum Ausbau ihrer Macht, v.a. auf Kosten des Klosters Rheinau und des Bf. von Konstanz, führten im Städtekrieg von 1449 zur Zerstörung der gräfl. Burg Balm (Gem. Lottstetten) durch Schaffhausen, aber auch zur Anlehnung der Grafen an das benachbarte Zürich. Das 1478 mit der Stadt Zürich abgeschlossene Bündnis wurde 1488 in ein erbl. Burgrecht umgewandelt und räumte den Zürchern Mitspracherechte im Klettgau ein, legitimierte umgekehrt aber die Herrschaft der S. Obwohl der Schwabenkrieg 1499 diese Partnerschaft infrage stellte, blieb das Burgrecht in Kraft. Im frühen 16. Jh. standen die S. auf dem Höhepunkt ihrer Macht: 1510 kamen sie in den Besitz der Herrschaften Blumenegg (Vorarlberg), Vaduz und Schellenberg, die bis 1613 in ihren Händen blieben, und erlangten unter Habsburg-Österreich einflussreiche Ämter. Kriege, Misswirtschaft und allzu bescheidener Besitz führten allerdings schon vor 1600 zu einer raschen Überschuldung und polit. Schwächung. 1651 veräusserten die S. Teile der Landgrafschaft Klettgau an Zürich und 1657 an Schaffhausen. Der letzte männl. Vertreter der Fam., Johann Ludwig, starb 1687. Über Heirat gelangte das gräfl. Erbe an die Fürsten von Schwarzenberg. Als Erben der S. sind die Fürsten Schwarzenberg noch zu Beginn des 21. Jh. Bürger von Zürich.


Literatur
– V. Schäfer, Die Gf. von S., 1969
– V. Schäfer, «Hochadel aus S. am Neckar», in S., bearb. von W. Hecht, 1984, 53-92 (mit Stammtaf.)
– I. Fingerlin, Die Gf. von S. und ihr Begräbnis in Tiengen am Hochrhein, 1992
– P. Niederhäuser, «Zwischen Konkurrenz, Partnerschaft und Unterordnung», in Grafen und Herren in Südwestdeutschland vom 12. bis ins 17. Jh., 2006, 71-95
– P. Niederhäuser, «Der Kampf ums Überleben: Die Gf. von S. und der Klettgau um 1499», in SchBeitr. 85, 2011, 9-65

Autorin/Autor: Peter Niederhäuser