• <b>Von Diesbach</b><br>Das Schloss Holligen in Bern und der Gurten. Aquarell mit Federkonturen, 1669 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen. Die Familie von Diesbach kaufte das Gut im 15. Jahrhundert und liess unter anderem um 1500 den viereckigen Wohnturm erbauen.

Diesbach, von [de]

Seit dem 13. Jh. belegte Berner Patrizierfam., benannt nach der Herrschaft Diessbach (oder Diessenberg, heute Oberdiessbach) bei Thun, seit dem 15. Jh. zur polit. Führungsschicht des Berner Stadtstaats gehörend. Ein Zweig der Fam. liess sich nach der Reformation in Freiburg nieder. Gemäss Genealogie stellte die Fam. burgund. Abstammung Dienstleute im Gefolge des dt. Ks. Friedrich I., der Zähringer und seit 1218 der Gf. von Kyburg. Träger des Namens Diezbach, Diezebach, Dyesbach, Dyespach mit Burgrecht in Bern sind im 13. Jh. in Aarberg und Thun bezeugt. Als Stammvater der adligen Fam. ist Niklaus ( -> 25) 1412 in Basel und Frankfurt als Kaufmann sowie 1414 in Bern als Goldschmied urkundlich fassbar. Mit Hugo und Peter von Watt aus St. Gallen baute er die hauptsächlich im Leinwand- und Metallwarenhandel tätige Diesbach-Watt-Gesellschaft mit Niederlassungen von Spanien bis Polen auf. Seine zweite Ehefrau Katharina du Ruz stammte aus gehobenen Freiburger Fernhandelskreisen. Niklaus erwarb 1427 von Imer Bokess die Hälfte der Herrschaft Diessbach, ferner Kiesen und Schloss Holligen. Die Söhne Loy (gestorben 1451), Ludwig (gestorben 1452) und Hans (gestorben 1456) markierten den Übergang von der Kaufmanns- zur Magistratenfamilie. Alle drei heirateten in Familien des Patriziats ein. Folgerichtig sind die Glieder der Fam. schon in den ältesten Stubenrödeln der vereinigten adeligen Gesellschaft zu Narren und Distelzwang in Bern nachweisbar. Klara von Büren führte Loy die Herrschaften Signau und Worb zu, ihr Sohn Niklaus ( -> 26) erwarb 1469 die andere Hälfte der Herrschaft Diessbach. Er war der erste der Fam., der mit Barbara von Scharnachtal eine Frau aus einem alten bern. Adelsgeschlecht heiratete. Durch Gütertrennung gewann sein Cousin Ludwig ( -> 19) 1479 von Wilhelm ( -> 37) die Herrschaft Diessbach und die niedere Gerichtsbarkeit in Kiesen. Die Herrschaft Landshut, 1479 erworben, musste Ludwig 1514 Bern abtreten, desgleichen 1516 wegen Verschuldung das Reichslehen Spiez, das ihm die zweite Ehe mit Agatha von Bonstetten eingetragen hatte. Ludwig ( -> 20), Söldnerführer in Italien, veräusserte 1528 die Herrschaft Signau. Sein Halbbruder Niklaus (1478-1550) liess 1546 das alte Schloss in Oberdiessbach bauen, das die späteren Erben 1647 zusammen mit der Herrschaft der Fam. von Wattenwyl verkauften. Durch Heirat gewann Christoph (1519-77) Güter zu Liebistorf. Heinrich Gottlieb (1727-87), Ritter des badischen Ordens, Grossrat und Salzdirektor zu Roche (VD), war der letzte Vertreter des Zweigs von Liebistorf. 1917 starb mit Fürsprecher Robert (geboren 1858) auch die Berner Linie aus. Insgesamt dienten 20 Familienglieder dem patriz. Bern als Kleinräte, ebensoviele verfolgten eine militär. Karriere, zehn davon in fremden Diensten.

<b>Von Diesbach</b><br>Das Schloss Holligen in Bern und der Gurten. Aquarell mit Federkonturen, 1669 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.<BR/>Die Familie von Diesbach kaufte das Gut im 15. Jahrhundert und liess unter anderem um 1500 den viereckigen Wohnturm erbauen.<BR/>
Das Schloss Holligen in Bern und der Gurten. Aquarell mit Federkonturen, 1669 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.
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Zwei Söhne Ludwigs (1452-1527) begründeten die kath. Freiburger Linien: Sebastian ( -> 36) und Johann Rochus (1501-46). Sebastian verlor wegen Korruptionsverdacht seine Ämter in Bern. Er und Johann Rochus wurden 1534 in Freiburg ins Bürgerrecht aufgenommen und kehrten zum alten Glauben zurück. Johann Rochus' Sohn Georges ( -> 10) war Herr von Bellerive (VD) und Baron von Prangins. Die Herrschaft Bellerive blieb rund 200 Jahre in den Händen der Freiburger Familie. Mit dem gewaltsamen Tod von François Romain (geboren 1773), Offizier der Schweizergarde in Paris, endete 1792 die Linie des Johann Rochus. Georges (1575-1648) begründete mit seiner Heirat mit Marguerite d'Alex die Zweige von Torny und Belleroche. Sein Sohn Josse war Herr von Belleroche und Maggenberg. Die Freiburger Linien zeichneten sich dadurch aus, dass zahlreiche ihrer Vertreter eine militär. Laufbahn einschlugen, so etwa François Romain ( -> 6) und Fridéric ( -> 8) aus dem Zweig von Torny sowie Romain ( -> 34) aus dem Zweig von Belleroche. Bis zum Ende des Ancien Régime gehörten die D. zur polit. Führungsschicht Freiburgs. Mehrere in der Politik engagierte D. setzten sich für die Förderung der Westschweizer Landwirtschaft ein, so Philippe ( -> 30). Der franz. Zweig wurde von Xavier Eugène von Belleroche (1817-1905) begründet. Der in Gouy-en-Artois lebende Royalist nahm 1867 das franz. Bürgerrecht an.


Archive
– StABE, FamA
– StAFR, FamA
– BBB, FamA Diesbach-Torny
Literatur
– A. de Ghellinck Vaernewyck, La généalogie de la maison de D., 1921
Schweiz. Geschlechterbuch 1, 86-94; 5, 159-167
– U.M. Zahnd, Die autobiogr. Aufzeichnungen Ludwig von D.s, 1986, 129-221

Autorin/Autor: Ulrich Moser