Bubenberg, von

Die ritterl. Ministerialenfam. von B., die mit den ersten Jahrhunderten bern. Geschichte aufs engste verknüpft ist, erscheint in den Quellen von den 1230er Jahren an; das Geschlecht gelangte aber wohl schon früher (mit den Zähringern?) ins Bernbiet und stammte möglicherweise von den Herren von Jegenstorf ab. Nach Konrad Justinger war ein Cuno B. bereits an der Gründung Berns (1191) massgeblich beteiligt; die als einzige ungeteilt erhaltene B.-Hofstätte (heute Erlacherhof) an der Junkerngasse könnte auf diese Tradition hindeuten. Im Gegensatz zu den meisten Adelsgeschlechtern im Umkreis der Stadt schlossen sich die B. auch in den schweren Konflikten während des beginnenden Territorialisierungsprozesses nicht den grossen Dynasten an (Habsburger, Kyburger), sondern hielten zu Bern; im 14. Jh. erlangten sie deshalb eine überragende Stellung in der Stadt. Fast alle männl. B. waren Ritter, Burger und Ratsmitglieder von Bern; deren elf wurden zudem Schultheissen: Peter I. 1235-41 (1246?), Heinrich I. 1257-63 (1266?), Kuno I. 1269-71, Ulrich I. 1284-93, Johann I. der Ältere 1323-24 und 1326-27, Johann II. ( -> 4), Johann III. ( -> 5), Ulrich II. 1367-81, Otto 1383-93, Heinrich IV. mehrmals 1447-63 und Adrian I. ( -> 1). Geistl. Standes waren Ulrich I. (Chorherr in Moutier-Grandval und Kirchherr in Schüpfen 1267, im Laienstand 1282), Peter III. (Kirchherr in Schüpfen und Balm 1292 bzw. 1336), Hartmann ( -> 3) und Johann VI. (Kirchherr in Gerzensee und Spiez sowie Chorherr in Solothurn 1420). Enge Beziehungen unterhielten die B. zu den geistl. Ritterorden: Vinzenz wurde 1365 Deutschordenskomtur in Köniz und 1379 Landkomtur von Elsass und Burgund. Ulrich III. war Johanniter, sein Bruder Markwart 1371-98 Deutschordenskomtur in Sumiswald. Mehrere Töchter der B. traten in bern. Klöster ein, in Frauenkappelen Agnes (um 1360), Johanna und Elisabeth (1370) sowie Anna (1401), in Fraubrunnen Margret (1356?). In beiden Klöstern und im Berner Stift St. Vinzenz wurden Familienjahrzeiten gehalten. Trotz der engen Bindung zu Bern suchten die B. Heiratsverbindungen stets ausserhalb der Stadt, meist mit edelfreien, mehrfach auch mit gräfl. Fam. (u.a. Buchegg, Neuenburg, Weissenburg, Ringgenberg, Grünenberg, Strättligen, Ligerz, Rosenegg, La Sarraz). Von mehreren B. sind längere Ritterfahrten nachzuweisen; Adrian I. ( -> 1) und Adrian II. ( -> 2) waren Ritter vom Hl. Grab. Das ausgeprägte Familien- und Standesbewusstsein der B. zeigt sich auch in den Wappentafeln in Bern (Kopie von 1740 aus Bubenberghaus) und Spiez (Schlosskirche) sowie im Kinderbüchlein Jacobeas von Neuenburg (erste Gattin Adrians I.).

Zum ältesten Besitz der Fam. zählten die Burgen Alt-B. (bei Frauenkappelen) und Neu-B. (bei Schliern, Gem. Köniz), die Häuser auf der Hofstätte an der Junkerngasse in Bern und versch. Reichslehen, u.a. der Stadtbach, die Mühlen und Aareschwellen in Bern (1360 der Stadt verkauft). Zudem besassen sie Güter und Herrschaftsrechte in Schüpfen, auf dem Schüpberg, in Oberbalm, Alprechte im Hasli- und Diemtigtal, die Kirchensätze u.a. von Oberbalm (1282), Schüpfen (1293), Spiez und Einigen (1338) sowie Gerzensee (1427), Reben in Tüscherz (1411), v.a. aber die Herrschaften Spiez (1338), Mannenberg und Schadau (1348), Ringgenberg (1391), Wartenfels (1456), Strättligen mit Reutigen, Thierachern und Wattenwil (1466) und Radelfingen. Trotz dieses ausgedehnten Besitzes gerieten die B. in der 2. Hälfte des 15. Jh. angesichts der tief greifenden ökonom. und sozialen Umschichtungen, wohl auch wegen ihres Aufwands im Dienst der Stadt, zunehmend in wirtschaftl. Schwierigkeiten und mussten Teile ihrer Güter veräussern. Die überschuldete Hinterlassenschaft des letzten legitimen Familiensprosses Adrian II. ( -> 2) schlugen mehrere Erben aus; über Ludwig von Diesbach gelangte 1516 ein Grossteil der Erbschaft an die von Erlach.


Literatur
– GHS 3, 1-16 (mit Stammtaf.)
– R. Oehler, «Zur Genealogie B.», in BZGH 38, 1976, 58-66, (mit Stammtaf.)

Autorin/Autor: Urs Martin Zahnd