Lupfen, von

Schwäb. Hochadelsgeschlecht (bezeugt im 12. bis 16. Jh.), dessen Besitz sich entlang des Neckaroberlaufs um Rottweil und um Tuttlingen konzentrierte. Erste urkundlich gesicherte Vertreter sind die Brüder Bertold, Adelbert und Konrad, die 1108 eine Schenkung an das Kloster Allerheiligen bezeugten. Heinrich (belegt ab 1241), verheiratet mit einer Schwester des letzten Gf. von Küssenberg, erhob nach dessen Tod (vor 1245) Anspruch auf das Erbe. Damit geriet er in Konflikt mit dem Bf. von Konstanz und den Gf. von Kyburg, die unter Berufung auf ihre übergeordneten Rechte die Allode unter sich aufteilten und z.T. in die Hand der Klöster Paradies und St. Katharinental gaben. Nachdem Hermann 1251 gegenüber dem Bischof formell auf die Küssaburg (Küssaberg, Baden, D) und Zugehörde verzichtet hatte, übertrug ihm dieser als Lehen die im Klett- und Hegau gelegene Landgrafschaft Stühlingen. Hermanns Söhne Eberhard und Berchtold begründeten die Stühlinger und Lupfener Linie. Gegen Ende des 13. Jh. geriet das Geschlecht zunehmend unter den Druck Habsburgs. 1304 veräusserte Heinrich, Sohn des vorgenannten Berchtold, die Burg L. und Zugehörde an die Hzg. von Österreich, erhielt diese aber schon elf Jahre später als Pfand zurück. In der 2. Hälfte des 14. Jh. verkaufte die Fam. aus wirtschaftl. Gründen Teile ihres Besitzes, u.a. 1378 versch. Güter und Rechte zu Stühlingen an die Schaffhauser Fam. Im Thurn. Anfang des 15. Jh. war die Krise überwunden. Hans, österr. Landvogt im Aargau, Thurgau und in Schwaben, übernahm als österr. Pfand die Herrschaft Hewen (im Hegau) mit der Stadt Engen. Das Verhältnis zu Schaffhausen wurde ab 1451 von einem 40 Jahre dauernden Streit um die Jagdrechte im städt. Forst überschattet, in dessen Verlauf es zu Zusammenstössen kam. Johannes ( -> 1) wirkte 1532-37 als Bf. von Konstanz. Letzter des Geschlechts war der 1578 verstorbene Heinrich.


Literatur
– R. Wais, Die Herren von L., Landgf. zu Stühlingen bis 1384, 1961
– H. Maurer, Das Land zwischen Schwarzwald und Randen im frühen und hohen MA, 1965, 119-124
– E. Eugster, Adlige Territorialpolitik in der Ostschweiz, 1991, 156-170

Autorin/Autor: Martin Leonhard