08/01/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Homberg, von

Grafen- und Landgrafengeschlecht im Sisgau. Bis zu ihrem Aussterben im Mannesstamm 1223 werden die H. auch Alt-H. genannt, später Neu-H. Insgesamt sind zwischen der Mitte des 11. und der 1. Hälfte des 14. Jh. neun Generationen belegt, wobei das Geschlecht nach dem Aussterben der Alt-H. kognatisch fortgeführt wurde. Im 11. und 12. Jh. wechselten die H. mehrmals ihren Namen. Sie hiessen auch von Thierstein und von Frick, was als Indiz für wechselnde Herrschaftszentren und die noch nicht gefestigte Namensgebung gewertet werden kann. Die H. besassen ausgedehnten Streubesitz vom Oberelsass bis ins südl. Freiamt und im Urner Reusstal, ihr wirtschaftl. Mittelpunkt war jedoch das Fricktal. In der 2. Hälfte des 12. Jh. kam es durch die Ehe Rudolfs mit der Erbtochter der Gf. von Saugern zu einer Hausteilung zwischen diesem und seinem Bruder Werner I. in die Zweige Neu-Thierstein und Alt-Homburg. Im 12. Jh. traten die H. oft im Gefolge der stauf. Kaiser auf. Ab Ende des 11. Jh. sind sie als Kastvögte des Klosters St. Alban in Basel und als erbl. Vögte des Hochstifts Basel belegt. Während die Kastvogtei über St. Alban nach dem Tod Werners III. als erbl. Lehen der Fam. verloren ging, verblieben Vertreter der Fam. bis ins 14. Jh. in ihrer Funktion als richterl. Stellvertreter des Königs in der Stadt Basel und im Sisgau. Mit Werner III. starben die H. im Mannesstamm aus. Das Erbe der sog. Alt-Homberger Erbtochter unbekannten Namens war so bedeutend, dass ihr Gatte, Hermann IV. von Frohburg, sich ab 1243 H. nannte.

Mit der Burg Neu-Homberg oberhalb von Läufelfingen wurde ein neues Machtzentrum geschaffen. Ludwig I. festigte die Stellung der H. gegenüber dem Bf. von Basel und den konkurrierenden Gf. von Habsburg. Die Heirat mit der Erbtochter Elisabeth von Rapperswil um 1282 führte zur Bildung eines zweiten Schwerpunkts am oberen Zürichsee, gleichzeitig aber auch zu einer Trübung des Verhältnisses zu den Habsburgern, die nach dem Tod des letzten Gf. von Rapperswil ebenfalls Ansprüche erhoben. Gegen Ende des 13. Jh. fand die endgültige Güterteilung im Hause H. statt: Liestal mit der Herrschaft Neu-H., die Rechte und der Besitz im östl. Sisgau und im Fricktal kamen an Hermann II.; Muttenz, die Wartenbergburgen (Wartenberg) sowie die Herrschaft Wartenberg, ein strassburg. Stiftslehen, und die Burg Alt-Homberg gelangten an Werner II. Ende des 13. Jh. erfolgten unter Hermann II. die Unterordnung der Herrschaft Neu-H. unter die Lehensabhängigkeit des Bf. von Basel und Veräusserungen von Gütern. Werner II. ( -> 1) nahm als Reichsvogt der Waldstätte richterl. Funktionen wahr. Werner III., der Letzte seines Geschlechts, starb um 1325. Die Rolle der H. in den Ereignissen um die Schlacht bei Morgarten sowie das Verhältnis zu Österreich im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um das von den Rapperswilern stammende Erbe wird in der Historiografie unterschiedlich gewertet.


Literatur
GHS 1, 26-43, 406; 3, 405, (mit Stammtaf.)
– J. Schneider, Die Gf. von H., 1977

Autorin/Autor: Franziska Hälg-Steffen