Aarberg, von

Zweig des Geschlechts von Neuenburg, begr. durch Ulrich (1226-76 bezeugt), Sohn von Ulrich III. von Neuenburg. Mit dessen Tod (1226) erhielt Ulrich die Herrschaften Arconciel, Illens, Strassberg und A., welche dem Zweig den Namen gab. Vor 1251 tauschte er mit seinem Bruder Berthold die Herrschaft Strassberg gegen die Herrschaft Valangin. Seine Söhne teilten die Güter unter sich auf: Wilhelm (ab 1270 erw., gestorben 1323), der am Beginn der Linie A.-A. steht, hielt ab 1272 die Herrschaft A. und trug den Grafentitel. 1296 entledigte er sich der Herrschaften Arconciel und Illens, die aber durch Heirat wieder an seinen Sohn Peter (um 1300-vor 1372) gelangten. Diese Linie, die in Bern verburgrechtet war, kämpfte zwar häufig auf der Seite dieser Stadt, distanzierte sich aber zu Beginn des Laupenkriegs (1337-40) von ihr und nahm in der Folge das Burgrecht von Freiburg an. 1358 musste der hochverschuldete Peter die Herrschaft A. verpfänden. Da ihm die Mittel zur Auslösung des Pfandes fehlten, verkaufte er die Herrschaft 1367 seinem Cousin Rudolf IV. von Nidau. Die Spuren der Nachkommen Peters -- seine zwei Kinder starben, ohne Erben zu hinterlassen -- verlieren sich im Dunkeln.

Die andern Söhne Ulrichs, Dietrich (1270-1304 erw.), Ulrich (ab 1276 erw., gestorben 1329), am Ende seines Lebens Dompropst von Basel, und Johann (ab 1270 erw., gestorben vor 1334), Begr. der Linie A.-Valangin, teilten sich in die Herrschaft Valangin. Die Nachfahren Johanns gaben die Herrschaft vom Vater an den Sohn weiter, ohne sich in Zweige aufzuteilen. Oft trugen sie den Grafentitel. Diese Linie verband sich durch Heirat mit andern grossen Adelsgeschlechtern der Region: den Montfaucon, den Oron, den Neuenburg-Blamont, den Neuenburg-Vaumarcus, den Chalon und den Vergy. Die Ehe der Ursula von Hasenburg (Asuel) mit Gerhard (ab 1333 erw., gestorben 1339), einem Sohn Johanns, trug dieser Linie die Herrschaft Willisau ein, die 1407 der Stadt Luzern verkauft wurde. Jeanne de Beauffremont, Gattin von Wilhelm (um 1377-1427), einem Enkel Gerhards, brachte zahlreiche lothring. Lehen in die Ehe ein. Ausserhalb der Herrschaft Valangin waren die A. vom 15. Jh. an häufig an den Höfen Burgunds und Lothringens anzutreffen; oft weilten sie auch in Beauffremont, wo sich einige bestatten liessen. Als Herren von Valangin versuchten sie überdies, sich der Lehensherrschaft der Gf. von Neuenburg zu entziehen. Zu diesem Zweck lehnten sie sich an die Fürstbf. von Basel an, denen sie div. Güter im Val-de-Ruz übertrugen, um sie als Lehen wiederum zu empfangen. Der dadurch ausgelöste Krieg endete mit ihrer Niederlage gegen Rudolf IV. von Neuenburg (Schlacht von Coffrane 1296, Zerstörung von La Bonneville 1301). In der Folge verbesserten sich die Beziehungen der A. zu ihren Lehensherren: Ludwig von Neuenburg gewährte ihnen 1360 eine gewichtige Vermehrung ihrer Lehen und 1373 eine beinahe vollst. Autonomie. Die zweite Vereinbarung wurde allerdings nicht eingehalten, was zu Beginn des 15. Jh. zu erneuten Konflikten führte. Um 1425 wurden die Herren von Valangin gezwungen, ihre Hochgerichtsbarkeit einzuschränken. Nach 1450 gelang es ihnen indessen stets, sich dem Huldigungseid gegenüber den Gf. von Neuenburg zu entziehen. 1506 gründeten Claude (um 1447-1518), Sohn Johanns III. ( -> 1) und Letzter der Linie, sowie seine Gattin Guillemette de Vergy (deren Enkel René de Challant Valangin erben sollte) die Kollegiatskirche Valangin. Die Treuepflicht gegenüber dem Fürstbf. von Basel geriet allmähl. in Vergessenheit.

Die A. nahmen auch an der allg. Rodungsbewegung in den Hochtälern des Juras teil. Die Kolonisation von Le Locle und La Sagne verlief gleichzeitig mit derjenigen der Freiberge. Dadurch dehnten die A. ihre Herrschaft bis an den Doubs aus und verleibten ihr nach zahlreichen Auseinandersetzungen auch das Dorf Les Brenets ein. Die Freiheitsurkunden von 1363, 1372 und 1378 zogen zahlreiche Siedler an, die als francs-habergeants (Rodungsfreie) einen besonderen persönl. Rechtsstatus genossen. Die übrigen Bewohner der Herrschaft erhielten vom beginnenden 15. Jh. an ihre eigenen Rechte. Insbes. durften einige Fam. des Val-de-Ruz, ab 1502 auch solche aus den Montagnes, das Burgrecht von Valangin annehmen, ohne sich damit zur Wohnsitznahme im Städtchen zu verpflichten.

Eine illegitime Seitenlinie ging von Claude (1541-59 erw.) aus, sehr wahrsch. einem unehel. Sohn des oben gen. Claude. Er wohnte in der Freigrafschaft Burgund, wo er aufgrund der Rechte seiner Gattin die Herrschaft Mandeure besass. Um 1660 nahmen seine Nachkommen aus eigenem Antrieb den Grafentitel von A. an und liessen sich im Gefolge einer Eheschliessung im holländ. Limburg nieder. Mehrere Mitglieder dieser Linie schlugen militär. Laufbahnen ein; im 18. Jh. hoben sie ein wallon. Regiment aus, das ihren Namen trug und in den österr. Niederlanden in kaiserl. Diensten stand. Charles Philippe Alexandre (1776-1814), der unverheiratet in Brüssel starb, hatte zwei unehel. Söhne: Paul (1801-83) und Louis (1802-77), die 1843 vom belg. Kg. als Ritter von Saint-Paul bzw. Ritter von Neuenburg geadelt wurden. 1956 erlosch dieser letzte Seitentrieb des Hauses A. mit Raoul, einem Enkel von Louis.


Literatur
– G.A. Matile, Histoire de la seigneurie de Valangin jusqu'à sa réunion à la directe en 1592, 1852, (z.T. fehlerhaft)
GHS 1, 103 f., 121 f., (mit Stammtaf.)
– O. Clottu, «La maison d'Arberg-Valangin Belgique», in SAHer 99, 1985, 51-64

Autorin/Autor: Germain Hausmann / AZ