28/04/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Bichelsee

Ehem. Orts- und Munizipalgem. TG, seit 1996 polit. Gem. B.-Balterswil, Bez. Münchwilen. Die Munizipalgem. B. bestand 1803-1995 und umfasste die Ortsgem. B. und Balterswil. Zur Ortsgem. B. zählten die an der Strasse von Turbenthal nach Wil (SG) gelegene Haufensiedlung B., die Weiler Höfli und Niederhofen am B. sowie Itaslen. 894 Pichelense. Ehem. Munizipalgem. B.: 1850 1'071 Einw.; 1870 953; 1900 1'205; 1910 1'442; 1950 1'417; 1970 1'554; 1990 2'065. Ehem. Ortsgem. B.: 1870 605 Einw.; 1900 728; 1910 782; 1950 691; 1970 696; 1990 935.

Durch Schenkung der Udalrichinger gelangte B. im FrühMA an das Kloster St. Gallen. Im HochMA liessen sich die im Dienste des Klosters stehenden Herren von B. auf der Feste (Alt-)B. nieder. Im frühen 13. Jh. erbauten sie Neu-B., das bereits 1274 von den Habsburgern zerstört wurde. 1358 erwarb Hermann IV. von Landenberg-Greifensee Alt-B. sowie sämtl. Rechte und Besitzungen inkl. die Vogtei Balterswil. 1407 wurde Alt-B. von den Appenzellern niedergebrannt. Nach dem Wiederaufbau kaufte die Abtei Fischingen 1419-21 Burg, Herrschaft und Pfarrei (Inkorporation), so dass B. bis 1798 zum alten Fischinger Gericht gehörte -- jedoch ohne das im Tannegger Amt gelegene und bis 1812 selbstständige Itaslen. Die ab 1275 belegte Pfarrei und die Nikolauskirche (später Blasius-Patrozinium) entstanden vermutlich im 12. Jh. Unter Führung des Klosters Fischingen, das die Gem. bis 1769 kirchlich versorgte, wurde B. 1529 ref., ab 1542 aber wieder rekatholisiert. Die evang. Kirchgemeinde ist seit 1550 Filiale von Dussnang. Die Blasiuskirche blieb aber, auch nach dem Neubau von 1864, bis zur Auflösung des Simultanverhältnisses 1954 in simultanem Gebrauch. 1960 wurde die evang. Kirche gemäss dem Proportionssystem Le Corbusiers erbaut. Landwirtschaft und Kleingewerbe prägten noch Ende des 20. Jh. das Erwerbsleben. Acker- und Obstbau wurden Ende des 19. Jh. von der Milchwirtschaft abgelöst; 1979 begannen in der Munizipalgemeinde umfangreiche Güterzusammenlegungen. Hausweberei bzw. Stickerei boten im frühen 19. Jh. bzw. um 1900 Nebenverdienst. 1899 gründete Johann Evangelist Traber in B. die erste schweiz. Raiffeisenkasse. Grösster Arbeitgeber ist die aus einer Stickerei (gegr. 1908) hervorgegangene Strickwarenfabrik Traxler AG. Mit der nach 1970 einsetzenden Zuwanderung und zahlreichen neuen Einfamilienhäusern wurde B. zur ländl. Wohngemeinde (Ortsgem. B. 1990 62% Wegpendler).


Literatur
– R. Braun, Die Gesch. der Herrschaft und Gem. B., 1925
– H. Specker, Gesch. der kath. Pfarrei B., 1956
– M. Gmünder, 1100 Jahre B., 894-1994, 1994

Autorin/Autor: Gregor Spuhler