22/10/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Madiswil

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Aarwangen, welche das gleichnamige Dorf, ein Strassengeviert im Langetental, Weiler (u.a. Mättenbach, Wyssbach) und seit 2007 auch die ehem. Gem. Gutenburg umfasst. 795 Madalestwilare. 1764 1'155 Einw.; 1850 2'391; 1900 2'093; 1950 1'884; 2000 2'015.

Ringwallanlagen im Weiherköpfli (vermutlich frühes HochMA) und auf der Fuchsmatt sowie eine Wehranlage im Grauenstein (Letztere beide nicht datiert). 795 schenkte Heribold der Kirche Rohrbach seine Güter in M.; weltl. und geistl. Herren, u.a. die Klöster St. Gallen (795), St. Johannsen (1185) und St. Urban (1194), waren im SpätMA in M. begütert. 1333 verpfändeten die Gf. von Kyburg ihr Niedergericht M. an die Herren von Grünenberg, die M. in ihre Herrschaft einbezogen. Hochgerichtlich unterstand M. der kyburg., dann ab 1406 bern. Landgrafschaft Burgund. Als Aktion gegen die österreichtreuen Grünenberg besetzte Bern M. 1443/44 im Alten Zürichkrieg. 1447 unterstellte es M. teilweise, 1480 nach dem Kauf des Rests von den Erben der Grünenberg ganz seiner Landvogtei Aarwangen; M. bildete mit Leimiswil ein Gericht. 1798 kam M. ohne Leimiswil zum Distrikt Langenthal, 1803 zum Oberamt Aarwangen.

Von der 1275 erw. Blasiuskirche - das heutige Gotteshaus datiert von 1779 - sind mehrere Vorgängerbauten bekannt; der älteste, vermutlich ein Holzpfostenbau, geht auf das 8. Jh. zurück. Der Kirchensatz gehörte im SpätMA einheim. Herren (1358 von Stein, Utzigen, Grünenberg); nach Erbteilungen kam er 1390 bzw. 1413 an St. Urban und in ref. Zeit 1579 durch Tausch an Bern.

Zur Landwirtschaft mit Kornbau gehörten Wässermatten an der Langeten, um die es mit dem Kloster St. Urban im 16. Jh. zum Streit um Nutzungsrechte kam. Im 19. Jh. stellte M. auf Vieh- und Milchwirtschaft um (drei Käsereien, landwirtschaftl. Genossenschaft). Zu Beginn des 21. Jh. waren die Weiler bäuerlich, das Dorf mehrheitlich gewerblich-industriell ausgerichtet (Holzbau, Metallverarbeitung, Polstermöbelfabrik, Normbau, Grossmetzgerei). Die Nähe zu Langenthal und die Langenthal-Huttwil-Wolhusen-Bahn (1889) erleichtern das Wegpendeln; ab den 1960er Jahren entstanden Neuquartiere am Dorfrand. 1833 wurde M. Mitglied der Sekundarschulgemeinde Kleindietwil. Nach dem Neubau des Schulhauses 1984 wurden die Aussenschulen in Wyssbach und Mättenbach aufgegeben. Die 1968 eröffnete Werkstätte für Behinderte beschäftigte 2007 ca. 130 Personen.


Literatur
– K.H. Flatt, Die Errichtung der bern. Landeshoheit über den Oberaargau, 1969
Der Amtsbez. Aarwangen und seine Gem., 1991
– S. Kuert, 1200 Jahre M., 1994 (21995)
– A.-M. Dubler, «Die Region Oberaargau», in Jb. des Oberaargaus 44, 2001, 74-139
– H. Schneeberger, Bauinventar der Gem. M., 2003

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler