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Billon, Jean-Michel

geboren 21.10.1705 Genf, gestorben 9.9.1778 Genf, ref., Natif von Genf, ab 1763 Bürger von Genf. Sohn des Jean-David (ab 1697 Habitant von Genf), Unternehmers aus Morges. Enkel des Pierre ( -> 2). ∞ Madeleine Allaret, Tochter des Genfer Bürgers Pierre, Gastwirts. B. erhielt auf den Baustellen seines Vaters eine prakt. Ausbildung, ergänzt durch theoret. Wissen, das er sich durch die Lektüre von Architekturwerken aus seiner reichen Bibliothek sowie durch den Umgang mit Fachleuten aus Genf und dem Ausland erwarb. Mindestens einmal reiste er nach Paris. 1726 zeichnete der 21-jährige Architekt und Geometer unter Leitung des Ingenieurs Jacques-Barthélemy Micheli du Crest einen detaillierten, qualitativ hochstehenden Katasterplan von Genf (Plan B. genannt), bestehend aus einem Gesamtplan und 34 Teilplänen. Im Auftrag der Genfer Regierung schuf er weitere Katasterpläne und Stadtplanungsprojekte und war damit sozusagen deren offizieller Geometer. B. war der lokale Repräsentant der klassischen franz. Architektur und entwarf Pläne für mehrere öffentl. und private Gebäude, v.a. für das Hôtel du Résident de France (1743, Grand-Rue 11), das Haus Naville (1743, Rue des Granges 8) und das Haus Cayla (1750-51, Taconnerie 10). Im 2. Viertel des 18. Jh. war er auf allen grossen öffentl. Baustellen Genfs als Experte tätig. Sein Ruf drang über die Grenzen der Republik Genf hinaus. So lieferte er u.a. die Pläne für die ref. Kirche von Yverdon (1753-57). Der aus dem Maurermeistermilieu hervorgegangene B. ist ein typischer Vertreter jener neuen Generation von Berufsleuten, die auf halbem Weg zwischen den Baupraktikern und den kultivierten, aus reichem Haus stammenden Amateurarchitekten anzusiedeln waren.


Archive
– AEG, Plan B.
Literatur
– B. Lescaze et al., Plan B., 1726, 2 Bde., 1986-87
– M. Grandjean, Les temples vaudois, 1988, 179-192

Autorin/Autor: Barbara Roth / MF