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Gut, Veronika

geboren 6.5.1757 Stans, gestorben 28.4.1829 Stans, kath., von Stans. Tochter des Felix, Bauern. ∞ 1) 1777 Leonz Joller, Bauer auf der unteren Spichermatt in Stans, 2) Melk Odermatt, Ratsherr. Als Bäuerin und siebenfache Mutter beteiligte sich die stets nach ihrem Mädchennamen genannte G. mit einem Kredit von 600 Gulden zugunsten der Kriegskasse am Nidwaldner Abwehrkampf gegen die franz. Truppen und die neue Ordnung der Helvetik. Dabei verlor sie ihren ältesten Sohn auf dem Schlachtfeld. Nach der militär. Niederlage 1798 wurde sie verhaftet und 1799 in Schwyz als "ruhestörende Lügnerin" verurteilt. Ungeachtet der Strafe versorgte sie die rebell. "Vaterländer" weiterhin mit Waffen und finanziellen Mitteln. Als sie im Sept. 1801 fälschlicherweise einen neuerl. Einmarsch franz. Truppen erwartete, verlor sie auf der Flucht ihre vier Töchter, die in einem Fluss ertranken. Zu Beginn des Jahres 1803 wurde sie wegen Pöbelei bei der Ersatzwahl für einen antirevolutionär gesinnten flüchtigen Kaplan, gegen dessen Absetzung sie sich wehrte, verhaftet. Napoleons militär. Niederlagen ab 1813 gaben ihr neuen Auftrieb. Zusammen mit dem zweiten Gatten und dem Hausgenossen Landammann Franz Xaver Wyrsch bildete sie den Kern des nach ihr benannten Froneggrats, der als Sammlung Altgesinnter den Widerstand gegen den Bundesvertrag von 1815 organisierte und Nidwalden in die Isolation trieb. Mit der Besetzung des Landes durch eidg. Truppen im Aug. 1815 endete der Einfluss G.s, die im 20. Jh. als Stoff literarischer Verarbeitung und Gegenstand der Gender-Forschung eine Wiederauferstehung feierte.


Archive
– StANW
Literatur
– R. Durrer, «Die Unruhen in Nidwalden nach dem Sturze der Mediationsverfassung und der Übergang Engelbergs an Obwalden», in JSG 28, 1903, 88-244
– F. Odermatt, Veronika G., 1941
– M. Odermatt-Lussy, «Die Vaterländerin Veronika G.», in Nidwaldner Kal. 108, 1967, 82-97
– G. Niederberger, Sonderfall: Nidwalden 1798-1815, Liz. Basel, 1998

Autorin/Autor: Peter Steiner