04/12/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Kreuzlingen (Gemeinde)

Polit. Gem. TG, Bez. K. Die an das dt. Konstanz grenzende polit. Gem. K. mit Bernrain, Egelshofen, Emmishofen und Kurzrickenbach entwickelte sich im 20. Jh. zur Stadt. Munizipal- und Ortsgem. Egelshofen bildeten 1874 eine Einheitsgem. und änderten mit der gleichzeitigen Ernennung zum Bezirkshauptort (anstelle von Gottlieben) den Gemeindenamen in K. 1927 schloss sich K. mit der ehem. Ortsgem. Kurzrickenbach und 1928 mit der ehem. Einheitsgem. Emmishofen zur Einheitsgem. K. zusammen. 1125 Crucelin und Eigoltshouen. Ehem. Ortsgem. Egelshofen: 1831 661 Einw.; 1870 1'471; Einheitsgem. K.: 1880 2'426 Einw.; 1920 5'740; 1930 8'615; 1950 10'045; 1990 17'239; 2000 17'118.

Egelshofen gehörte im FrühMA zur Konstanzer Bischofshöri und später zur Vogtei Eggen, in der im SpätMA eine Richtstätte stand. Eggen war im 14. Jh. an die Edlen von Klingenberg verpfändet und gelangte 1449 zur Hälfte an die Stadt Konstanz; die andere Hälfte erwarb Konstanz 1542 von Sebastian Muntprat. Als Inhaberin des thurg. Landgerichts schaffte Konstanz 1453 das Hochgericht ab. 1499 ging das Landgericht an die zehn am Malefiz beteiligten eidg. Orte im Thurgau. Die niedergerichtl. Rechte der Vogtei blieben bis 1798 bei Konstanz. Die Fischenzen, die Taverne in Egelshofen, das Hörnli, das Schloss Geissberg und einige Höfe gehörten bis 1798 zur niederen Gerichtsbarkeit des Stifts K.

Bis 1125 gehörte Egelshofen zur Pfarrei St. Paul in Konstanz, danach war das neue Stift K. zuständig. Die Pfarrei wandte sich früh dem evang. Glauben zu, und der Prädikant predigte in der Stiftskirche. 1532 aber mussten die Reformierten auf diese verzichten und erhielten die Kirche St. Jodok in Konstanz zum Gebrauch. Als 1548 Konstanz zum kath. Glauben zurückkehrte, untersagte dessen Magistrat den Reformierten den Zutritt zur Kirche. 1549 trat ihnen das Stift die Kapelle Kurzrickenbach ab und leistete jährlich 32 Gulden an die Pfarrbesoldung. Bis 1709 besorgte der Pfarrer von Scherzingen die Seelsorge, danach stellte die Gem. einen Pfarrer an. 1629 erhielten die Reformierten einen Friedhof in Egelshofen. Der 4. Landfrieden (von 1712) erlaubte 1724 den Bau einer ref. Kirche. Frauengemeinden wählten im 18. Jh. in Egelshofen die Hebammen. In der Helvetik bestand die gewählte Munizipalität aus dem Altbürgermeister, dem Gemeindepfleger und ehem. Richtern. Der Ort K. zählte 1837 ausserhalb des Klosterbezirks nur 13 Häuser und gehörte zur Gem. Egelshofen. Die Dreizelgenwirtschaft prägte die Landnutzung; neben Ackerbau wurden auch Reb- und Obstbau sowie Viehzucht betrieben.

1833 erfolgte die Gründung des Lehrerseminars (Neubau 1972), 1835 einer landwirtschaftl. Schule und 1857 der Heilanstalt Bellevue durch den Psychiater Ludwig Binswanger. 1871 und 1875 wurden die Bahnlinien Romanshorn-Konstanz und Konstanz-Schaffhausen eröffnet, 1911 die Linie Konstanz-Wil. Um 1880 setzte die Industrialisierung mit Schifflistickerei und einer Möbelfabrik ein. Um 1890 diversifizierte die Industrie in Schuh-, Seifen- und Trikotfabriken. 1900 beschäftigte die Schuhfabrik Kreuzlingen bereits über 240 Arbeiter, daneben besass K. Buchdruckereien, Banken, Handelsfirmen und eine Bonbonfabrik. 1905 folgte eine Kettenstichstickerei, 1907 eine Schürzen-, 1909 eine Schuh- (Raichle), 1910 eine Sitzmöbel- und 1915 eine Korsettfabrik. Im Laufe des 20. Jh. kamen pharmazeut. Fabriken, ein Betonwerk, Autogaragen, Banken, Kinos, Immobilien- und Sportartikelfirmen sowie Einkaufszentren dazu. Die wirtschaftl. Entwicklung liess die Bevölkerungszahl ansteigen; 1947 zählte K. erstmals über 10'000 Einwohner und wurde damit zur Stadt. Der 2. Sektor prägte die Beschäftigungsstruktur bis ins letzte Viertel des 20. Jh. (1920 62%, 1975 56%), seit Ende des Jahrhunderts dominiert der 3. Sektor (1998 knapp zwei Drittel). Die Grenzlage, die Bäder und die Eisbahn, aber auch die Schulen (1971 Eröffnung der Kantonsschule, Neubau 1997) bestimmen den Charakter von K.


Literatur
K., hg. von M. Bürgi et al., 2001
Storie di Italiani nella Svizzera orientale hg. von R. Ferrarese, M. Schiavone, 2003
Tbl.: Ausg. für den Kt. Thurgau, 30.9.2004; 1.2.2007

Autorin/Autor: Erich Trösch