• <b>Stephan Stör</b><br>Titelseite seiner Flugschrift zur Priesterehe, gedruckt bei Andreas Cratander in Basel, 1524 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). Nachdem Stephan Stör am 23. November 1523 den Schultheiss und den Rat von Liestal über die Eheschliessung mit seiner Haushälterin unterrichtet hatte, schlug er seine Thesen zur Priesterehe an den Pforten des Basler Münsters an. Am 16. Februar 1524 verteidigte er seine Ansichten an der Universität. Weil seine Gegner der Disputation fernblieben, brachten seine Freunde die Gegenargumente vor. Das fiktive Streitgespräch veröffentlichte Stör daraufhin in dieser Flugschrift.

No 2

Stör, Stephan

geboren Diessenhofen, gestorben 1529 Grafschaft Hessen. 1503 Stud. der Theologie in Tübingen, 1506 in Basel, 1509 Magister der Univ. Basel. 1512-23 Leutpriester in Liestal, 1524-25 Beichtvater am Klarissenkloster Gnadenthal in Basel. Bereits zu Beginn der 1520er Jahre predigte S., der mit führenden Reformatoren wie Wolfgang Capito und Johannes Oekolampad in Beziehung stand, in Liestal reformator. Gedankengut. Nach der Heirat mit seiner Haushälterin trat er anlässlich einer Disputation in Basel öffentlich für die Priesterehe und die Predigt des reinen Evangeliums ein. Trotz der Unterstützung Oekolampads und der Liestaler Bürgerschaft enthoben ihn darauf Domkapitel und Basler Rat seines Priesteramts. Im Bauernkrieg 1525 trat S. als Redner bei Versammlungen auf, verfasste Beschwerdeschriften der Baselbieter an den städt. Rat und suchte die Basler Zünfte für ein gemeinsames Vorgehen mit den ländl. Untertanen gegen die Obrigkeit zu gewinnen. Nach dem Scheitern dieses Versuchs sah sich S., wenige Tage nach Ausbruch des Bauernkriegs, zur Flucht gezwungen, denn die Obrigkeit betrachtete ihn als Hauptverantwortlichen für die Unruhen in ihrem Herrschaftsgebiet. Im Jan. 1526 wurde S. in Strassburg festgenommen und mehrmals verhört, nach Fürsprachen Huldrych Zwinglis und des Strassburger Reformators Capito jedoch wieder freigelassen. Zur Strafe konfiszierte der Basler Rat sein Vermögen und verwies ihn des Landes. S. liess sich darauf in der Landgrafschaft Hessen nieder, von wo aus er nach der Reformation in Basel vergeblich eine Rückkehr nach Liestal zu erwirken suchte.

<b>Stephan Stör</b><br>Titelseite seiner Flugschrift zur Priesterehe, gedruckt bei Andreas Cratander in Basel, 1524 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>Nachdem Stephan Stör am 23. November 1523 den Schultheiss und den Rat von Liestal über die Eheschliessung mit seiner Haushälterin unterrichtet hatte, schlug er seine Thesen zur Priesterehe an den Pforten des Basler Münsters an. Am 16. Februar 1524 verteidigte er seine Ansichten an der Universität. Weil seine Gegner der Disputation fernblieben, brachten seine Freunde die Gegenargumente vor. Das fiktive Streitgespräch veröffentlichte Stör daraufhin in dieser Flugschrift.<BR/><BR/>
Titelseite seiner Flugschrift zur Priesterehe, gedruckt bei Andreas Cratander in Basel, 1524 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Literatur
– K. Gauss, Reformationsgesch. Liestals, 1917
– S.E. Buckwalter, Die Priesterehe in Flugschr. der frühen Reformation, 1998, 267-273

Autorin/Autor: Niklaus Landolt