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Trezzini, Domenico

geboren um 1670 Astano, gestorben 19.2.1734 St. Petersburg, kath., von Astano. Sohn des Gioacchino und der Felicita Tomasina Antonietti. ∞ 1) 1698 Giovanna de Vetijs oder Vescia, von Astano, 2) (Name unbekannt), 3) Maria Carlotta (Nachname unbekannt). Nach einer Ausbildung von 1685 bis um 1690 in Italien, wahrscheinlich in Rom, wirkte T. 1699-1703 am Hof Friedrichs IV. in Kopenhagen, wo er an der Hafenbefestigung sowie am Wiederaufbau der Börse mitarbeitete. 1703 von Peter dem Grossen nach Russland gerufen, kam er 1704 in St. Petersburg an und war dort bis zu seinem Tod als leitender Architekt und Festungsbaumeister tätig. Als Vertrauensperson des Zaren legte T. die Grundlagen zum Aufbau der neuen Hauptstadt. Zu seinen Werken gehören Gebäude verschiedenster Art wie Stadtpaläste, Sakralbauten, Spitäler, Schiffswerften und Brücken, welche die Stadtarchitektur der 1. Hälfte des 18. Jh. stark prägten. T. projektierte die Strassennetze ganzer Stadtviertel: Er plante 1712 die Überbauung des Stadtteils Moskowskaia und der Insel Kotlin mit Kronstadt (1715) sowie der Wassiljewski-Insel. Zudem entwarf er die ersten ein- bis zweistöckigen Normhäuser in europ. Stil. Als Gründer der ersten Architekturschule Russlands wurde T. zur Leitfigur seiner unzähligen Mitarbeiter. Zu seinen wichtigsten bis heute erhaltenen Werken gehören die Peter-und-Paul-Festung (1706-34) mit dem monumentalen Peterstor (1714-16), die Peter-und-Paul-Kathedrale (1712-32), deren 106 Meter hoher Glockenturm zum Wahrzeichen der Stadt wurde, der Sommerpalast (1710-14), das Alexander-Newski-Kloster (1715-20) mit der Mariä-Verkündigungs-Kirche (1717-22) und die Zwölf Kollegien (Ministerien, 1722-42), die nach seinem Tod fertiggestellt wurden. Als vielseitiger Architekt und Stadtplaner führte T. einen nüchternen Barockstil westeurop. Prägung in St. Petersburg ein.


Literatur
Domenico T. e la costruzione di San Pietroburgo, Ausstellungskat. Lugano, 1994 (mit Bibl.)
– A. Biro, «St. Petersburg vor 300 Jahren», in ZSG 53, 2003, 430-436

Autorin/Autor: Mario Redaelli, Pia Todorović Redaelli / CHM