• <b>Albrecht Kauw</b><br>Berner Landvogteisitz und ehemaliges Kartäuserkloster Thorberg. Aquarellvedute des Künstlers, signiert und datiert 1669 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen. Vorne links hat Albrecht Kauw eine Zeichnerfigur in die Landschaft gesetzt. Die in der topografischen Malerei der Zeit beliebten Selbstdarstellungen von Malern als Staffagefiguren sollten die Wahrhaftigkeit der aufgrund von Feldstudien gezeichneten Ansichten bezeugen. Die vornehm gekleidete Figur, die dem Zeichner über die Schulter blickt und die Aufnahme überwacht, ist möglicherweise der Landvogt.

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Kauw, Albrecht

getauft 26.11.1616 Strassburg, gestorben 1681/82 Bern, prot., aus dem Elsass. Sohn des Conrad Koha, wohlhabenden Weinhändlers, und der Anna-Maria Volmar. ∞ Katharina Meyer, von Zofingen. K. verbrachte seine Kindheit und Jugend wohl in Strassburg. Vermutlich bildete er sich im Umfeld des Malers und Illuminators Georg Brentel und des Stilllebenmalers Sebastian Stoskopff aus. In den späten 1630er Jahren kam er nach Bern, wo er erstmals 1639 mit zwei signierten und datierten Porträts von Gabriel von Diesbach und Anna von Wattenwyl bezeugt ist. Das Einzugsgeld bezahlte er jedoch erst 1643, wurde nie eingebürgert und blieb zeitlebens Hintersasse von Bern. 1649 kopierte K. auf 24 Aquarellen den "Totentanz" von Niklaus Manuel im Kreuzgang des kurz darauf zerstörten Dominikanerklosters und überreichte diese dem Rat als Geschenk. Als Gegenleistung erhielt K. immer wieder öffentl. Aufträge. Während der 1650er Jahre lieferte er für die Speisezimmer bern. Landsitze v.a. Jagd-, Gemüse- und Früchtestillleben. Diese z.T. wandfüllenden Gemälde mit den Gaben und Erzeugnissen der Natur stellen einheim. Nutzpflanzen und Lebensmittel des tägl. Bedarfs dar. 1666 erhielt er von der Berner Obrigkeit ein Privileg zum Verkauf von Kupferstichen und Gemälden. Zwischen 1665 und 1675 avancierte er zum meistbeschäftigten Maler in Bern. So schuf er 1669-71 86 Landschaftsaquarelle bern. Herrschaften, Schlösser und Landsitze für das "Ämter-, Regiments- und Geschlechterbuch" von Victor von Erlach. Für die Raumausstattung bern. Schlösser und Landsitze schuf er ganze Bildprogramme (Veduten, Ideallandschaften, bibl. sowie weltl. Historienbilder und Allegorien), bei denen er sich teilweise auf internat. Grafikblätter stützte. Auch die mehrheitlich erhaltene künstler. Ausstattung im neuen Schloss Oberdiessbach, die im Auftrag von Albrecht und Niklaus von Wattenwyl erfolgte, wird K. zugeschrieben. Zu seinem vielseitigen Werk gehören neben Stammbäumen und Familienwappen auch Allegorien sowie Gruppen- und Einzelporträts.

<b>Albrecht Kauw</b><br>Berner Landvogteisitz und ehemaliges Kartäuserkloster Thorberg. Aquarellvedute des Künstlers, signiert und datiert 1669 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.<BR/>Vorne links hat Albrecht Kauw eine Zeichnerfigur in die Landschaft gesetzt. Die in der topografischen Malerei der Zeit beliebten Selbstdarstellungen von Malern als Staffagefiguren sollten die Wahrhaftigkeit der aufgrund von Feldstudien gezeichneten Ansichten bezeugen. Die vornehm gekleidete Figur, die dem Zeichner über die Schulter blickt und die Aufnahme überwacht, ist möglicherweise der Landvogt.<BR/><BR/>
Berner Landvogteisitz und ehemaliges Kartäuserkloster Thorberg. Aquarellvedute des Künstlers, signiert und datiert 1669 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.
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Literatur
BLSK, 562 f.
– G. Herzog, Albrecht K. (1616-1682), 1999

Autorin/Autor: Tapan Bhattacharya