16/03/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Dachsen

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Strassendorf auf einer Terrasse im Rheinknie bei Laufen, heute Agglomerationsgem. von Schaffhausen. 876 Tahsheim. 1467 ca. 17 Haushalte; 1637 170 Einw.; 1799 370; 1850 501; 1900 570; 1950 690; 2000 1'533. Frühma. Gräberfunde. Aus der villula D. in der Mark Laufen entwickelte sich auf Kosten des im Früh- und HochMA zentralen Ortes Laufen das spätma. Dorf D. mit der Ausbausiedlung Berchen. Grund für diesen Verschiebungsprozess war der Mangel an ackerfähigem Boden im ufernahen Kernland. Anfangs des 14. Jh. ging Berchen ab. Zunächst nutzten die Bauern von D. die ehemalige Dorfflur als Wiesland, in der frühen Neuzeit als ganze Ackerzelge. Im 15. Jh. erhielt D. Land vom Kelnhof Laufen zugeschlagen. Die Mühle von Berchen wird 1304 letztmals erwähnt. Dafür erscheint 1439 eine Mühle in D., die offenbar auch die Mühle des Kelnhofs Laufen ablöste. D. war Teil der Vogtei Laufen, die hochgerichtlich zur Grafschaft Kyburg gehörte (1452 zu Zürich). Das Niedergericht der Gem. lag ab 1544 bei Zürich. Sie durfte Bussen bis zu einem Pfund selber sprechen. Einen Einzugsbrief bekam sie schon 1514, eine Offnung 1523. In der Helvetik verlor D. die Selbstständigkeit und wurde erst 1831 wieder aus dem Gemeindeverband mit Uhwiesen und Flurlingen entlassen. Kirchlich gehörte D. stets zu Laufen. Die spätma. Filialkapelle, im 19. Jh. profaniert, ist seit 1975 wieder Gotteshaus.

1536 war die Bauernschaft zweigeteilt. Zehn grosse und mittlere Betriebe verfügten zusammen über 495 Jucharten Kulturland und über Zugvieh. Sie betrieben hauptsächlich Ackerbau (76% Acker, 17% Wiesland, 6% Reben). Die zehn Kleinbauern jedoch nutzten ihre 48 Jucharten vorwiegend als Rebland (30% Acker, 13% Wiesen und 57% Reben). Dennoch nahmen die wirtschaftlich Stärkeren drei Fünftel der Weinberge für sich in Anspruch. 1857 erfolgte der Anschluss an die Eisenbahnlinie Winterthur-Schaffhausen. 1855-73 erstellte Heinrich Jakob Witzig einen grossen Hotelkomplex für die Touristen, welche die Rheinfälle besichtigten. Der Komplex, der zugleich als Bahnstation (bis 1916) und als Poststelle diente, wurde 1932 konkursamtlich versteigert. Die Nähe zu Schaffhausen löste eine bescheidene wirtschaftl. Entwicklung aus: Fischzuchtanstalt 1880, Wasserversorgung 1896, Elektrizität 1910, Güterzusammenlegung und Melioration 1950. Nach dem 2. Weltkrieg siedelten sich einige Industriebetriebe an.


Literatur
– H. Kläui, Die Rheinfallgem. D., 1976
– K. Wanner, Siedlungen, Kontinuität und Wüstungen im nördl. Kt. Zürich (9.-15. Jh.), 1984, 120-133

Autorin/Autor: Martin Illi