04/01/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Gondiswil

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Aarwangen. Die Gem. an der Grenze zum Kt. Luzern umfasst das Dorf sowie versch. Weiler, u.a. Freibach, Brüggenweid, Haltstelle, Staldershaus und Schwendi. Um die Mitte des 9. Jh. Cundolteswilare. 1764 694 Einw.; 1850 1'422; 1900 1'008; 1950 958; 2000 734. Neolith. Einzelfunde wurden bei Staldershaus entdeckt. Frühe Grundbesitzer waren einheim. Herren, die Klöster beschenkten: Die Donation Perchtgers an St. Gallen datiert zwischen 841 und 872, diejenige der Frh. von Langenstein an St. Urban 1194. Begütert waren auch das Benediktinerkloster St. Johannsen-Erlach (1236) und die Johanniterkommende Thunstetten (1263). Im SpätMA war G. eine der Dingstätten des Landgerichts Murgeten (Murgenthal) und gehörte zur Herrschaft Grünenberg, von der es durch Käufe (1432 und 1480) an Bern überging. In bern. Zeit bildeten G. und Melchnau ein einziges Niedergericht der Landvogtei Aarwangen. Bis zur Reformation Teil der luzern. Pfarrei Grossdietwil, kam G. 1528 zur Kirchgem. Melchnau. Im Bemühen um die eigene Kirchgem. erhielt G. 1737 einen Friedhof. Ab 1856 bzw. 1870 wurden Gottesdienst und Kinderlehre im Dorf durchgeführt, ab 1918 im neu erbauten Kirchenraum. 1945 wurde in G. ein Gemeindevikariat, 1960 ein Pfarramt eingerichtet. Die von den Herren von Büttikon gestiftete, 1300 dem Kloster St. Urban inkorporierte Marienkapelle im Weiler Freibach war im 14. und 15. Jh. Wallfahrtsort und Zentrum einer überregionalen Schmiedebruderschaft (1424); sie wurde nach 1528 abgerissen. Den Ackerbau ergänzten im 18. und 19. Jh. Leinenweberei und Holzschuhfabrikation. Während des 1. und 2. Weltkriegs wurde Schieferkohle abgebaut. 1889 wurde G. Station der Langenthal-Huttwil-Wolhusenbahn. G. behielt seinen landwirtschaftlich-kleingewerbl. Charakter mit Holzverarbeitung, einem Sägereimaschinenbetrieb und Wegpendlern v.a. in die Region Langenthal und nach Huttwil, an dessen Spitalverband und Sekundarschule die Gem. angeschlossen ist.


Literatur
– K.H. Flatt, Die Errichtung der bern. Landeshoheit über den Oberaargau, 1969
– M. Jufer et al., Der Amtsbez. Aarwangen und seine Gem., 1991
– M. Schindler, Bauinventar der Gem. G., 2000

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler