No 3

Rotach, Uli

Der Appenzeller "Nationalheld" R. soll in der Schlacht am Stoss (1405) im Kampf gegen zwölf Feinde in einem brennenden Haus umgekommen sein. Die im Jahrzeitbuch von 1566 - also 161 Jahre nach dem Ereignis - und im Tafelbild von Caspar Hagenbuch 1567 festgehaltene Tradition hielt schon die krit. Geschichtsschreibung des 19. Jh., besonders Johannes Dierauer, für mit dem Schlachtgeschehen unvereinbar. Auch in der jüngsten Forschung wird die Historizität R.s und der Heldentat noch kontrovers diskutiert; sie bleibt eine Glaubensfrage. Die überlieferte Version der Heldentat entstand - sei es als Weiterentwicklung eines vielleicht mündlich überlieferten Erzählkerns, sei es als Neuerfindung - frühestens nach der Schlacht von Marignano 1515; vieles spricht dafür, dass sie gar erst anlässlich der Neuanlage des Jahrzeitbuchs um 1566 konstruiert wurde, um Parallelen zwischen der appenzell. Geschichte und der eidg. Befreiungstradition herauszustreichen. Die R.-Episode war ein beliebtes Sujet der Schweizer Historienmalerei von Ludwig Vogel bis Ferdinand Hodler; das Denkmalrelief am Rathaus Appenzell von Walter Mettler stammt von 1905.


Literatur
Kdm AI, 1984
– H. Bischofberger, «Das Uli R.-Denkmal», in IGfr. 44, 2003, 94-110; 50, 2009, 7-16
– H. Bischofberger, «Uli R.», in IGfr. 45, 2004, 7-29
– R. Inauen, M. Weishaupt, «Uli R.», in AJb 132, 2004, 98-117
– R. Hugener, «Gefallene Helden», in Traverse, 2008, H. 2, 15-26

Autorin/Autor: Redaktion