Sulgen

Polit. Gem. TG, Bez. Weinfelden. Das auf einer Moräne am Übergang vom Thur- ins Aachtal liegende Dorf verdankt seine Entwicklung der guten Verkehrslage; hier kreuzt sich die wichtigste Ost-West-Verbindung durch den Kanton mit der Strasse von Konstanz nach Gossau (SG). Die ehem. Munizipalgemeinde S. bestand 1803-1995 aus den Ortsgemeinden Bleiken (bis 1964, dann Ortsgemeinde S.), Götighofen, Kradolf, Riedt (bis 1994) und S. Die polit. Gemeinde wurde 1995-96 stufenweise aus den ehem. Ortsgemeinden Donzhausen, Götighofen, Hessenreuti und S. gebildet. 806 Sulaga. Polit. Gem.: 2000 3'422 Einw. Ehem. Munizipalgem.: 1850 1'185 Einw.; 1870 1'155; 1900 1'866; 1950 3'054; 1990 4'383. Ehem. Ortsgem.: 1850 416 Einw.; 1900 616; 1950 1'212 1990 2'552. In S., Hessenreuti und Mühlebach-Amriswil besass das St. Pelagiusstift Bischofszell im MA Güter (1472 Offnung). Die Herrschaft Bürglen und das Kloster Kreuzlingen teilten sich in S. bis 1798 die niederen Gerichtsrechte. S. war eine Grosspfarrei, die neben S. bis 1809 auch Andwil, bis 1851 Berg (TG), bis 1809 Bürglen (TG), bis 1992 Erlen, Guntershausen bei Berg (seit 1995 bei Berg) sowie bis 1604 Neukirch umfasste. Das St. Pelagiusstift besass anfänglich nur die Kollatur. 1269 bewilligte ihm der Bf. von Konstanz, Abgaben für eigene Bedürfnisse einzuziehen, 1359 wurde S. in das Stift inkorporiert. Nach der Reformation 1529 wurde 1535 die Messe wieder zugelassen. Die Kirche wurde fortan simultan, 1712-1961 paritätisch genutzt. 1851 kam die Kollatur an die Kirchgemeinde. 1959-61 erfolgte der Bau der kath. Kirche durch Ernst Brantschen. In S. wurde Kornbau in drei Zelgen betrieben und Flachs angebaut. Im 19. Jh. erfolgte der Übergang zum Feldgrasbau, zur Vieh- und Milchwirtschaft (1860 Käserei) sowie zum Obstbau. Ab 1650 wurde Leinen hergestellt; später kamen die Baumwollverarbeitung, um 1810 die Kattunweberei, ab 1850 die Stickerei und 1890 die Schifflistickerei hinzu (bis um 1930). S. wuchs beachtlich, nachdem es 1855 eine Station an der Bahnlinie Winterthur-Romanshorn erhalten hatte und 1876 Ausgangspunkt der Linie nach Gossau wurde. 1919-23 bestand eine Milchpulverfabrik, die 1930 neu gegründet und 2003 von der Hochdorf Nutritec AG übernommen wurde (2010 108 Mitarbeiter). 1933 wurde die Wirkerei Greuter ins Leben gerufen (1970 Greuter-Jersey AG), die ab 2008 im Besitz der E. Schellenberg Textildruck AG war und seither nicht mehr in S. produziert. 1980 hielt bei der Sauter AG die Medizinaltechnik Einzug (ab 1999 im Besitz der Belimed). Weitere ansässige Firmen waren 2011 die Sidag (Sicilia-Zitronensaft), die Erich Keller AG (Büroeinrichtungen) und der Verlag Niggli AG. 2005 waren 53% der Erwerbstätigen im 2. Sektor, 40% im 3. Sektor tätig.


Literatur
Kdm TG 3, 1962, 529-547
– E. Menolfi, Gesch. von S., 1984
– M. Casutt et al., Die Kirchen von S., Kt. Thurgau, 2004
Thurgauer Ztg., 18.1.2011

Autorin/Autor: Erich Trösch