Schalensteine

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Steinblöcke oder Felsplatten, auf denen sich schalenartige, meist halbkugelige Vertiefungen natürl. oder künstl. Ursprungs befinden. Die von Menschen angebrachten Schalen haben einen Durchmesser von wenigen Zentimetern. Wenn die Bearbeitungsspuren abgewittert sind, lassen sich die künstl. Schalen manchmal kaum von den durch Erosionsvorgänge entstandenen natürl. Schalen unterscheiden. Künstl. Schalen sind in allen Kontinenten verbreitet und finden sich auf errat. Blöcken und anstehenden Felspartien, aber auch auf Grabsteinen, Hausschwellen und Kirchenmauern. Die Schalen sind häufig durch Rinnen verbunden und treten oft zusammen mit Gravuren einfacher geometr. Formen wie etwa Kreisen oder Kreuzformen auf, seltener mit Felszeichnungen, wie dies in der Schweiz in Carschenna bei Sils im Domleschg sowie in Saint-Léonard der Fall ist. In der Schweiz wurden seit der Beschreibung des sog. Pierre-aux-écuelles von Mont-la-Ville 1854 mehr als tausend S. entdeckt, v.a. am Südfuss des Jura sowie in Graubünden, im Tessin und im Wallis. Besonders eindrücklich sind die S. mit geometr. Formen von Evolène, Mesocco, Tarasp und Zermatt und derjenige von Saint-Luc mit 350 Eintiefungen. Die Funktion der S. ist mit wenigen Ausnahmen (z.B. Mörserschalen, Drehpfostenlager von Türen, Töpferscheiben, Gewinnung von heilkräftigem Gesteinsmehl u.a.) unbekannt. Das Auftreten bei und in Grabanlagen und Kirchen und die vielen S. mit Kreuzen legen eine kult.-symbol. Bedeutung der Schalen nahe. Die hervorragende Aussichtslage vieler S. lässt an Markierungszeichen denken. Auffallend ist, dass die S. in Gebieten mit Megalithen dicht vorkommen. Anhand von einigen stratigrafisch und historisch datierten S.n lässt sich feststellen, dass ihre Entstehungszeit von der Jungsteinzeit (S. von Egolzwil) bis ins ausgehende MA (S. bei Kirchen und S. mit Jahrzahlen) angesetzt werden muss.


Literatur
– U. Schwegler, Schalen- und Zeichensteine der Schweiz, 1992
– A. Gansser, S., 1999

Autorin/Autor: Urs Schwegler