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Konrad von Mure

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geboren um 1210 vermutlich Muri (AG),gestorben 20.3.1281 Zürich. Vermutlich Stud. in Bologna, evtl. auch in Paris. Es wird angenommen, dass K. engen Kontakt zur königl. oder päpstl. Kanzlei pflegte. 1244-71 leitete er als Magister die Stiftsschule in Zürich, wo er ab 1246 als Chorherr am Grossmünster belegt ist. Daneben hielt er die Priesterpfründe in Göslikon. 1259 wurde er nach einer Reform erster Kantor des Stifts, was er bis zum Tod blieb. Ausserdem übte er notarielle und schiedsrichterl. Dienste aus. Kg. Rudolf I. war er freundschaftlich verbunden. Die meisten Schriften K.s lassen sich dem Lehrbetrieb zuordnen. Im "Fabularius" (1273 abgeschlossen) hinterliess er einen Werkkatalog mit zwölf metr. Titeln, von denen nur drei vollständig erhalten sind. Das früheste Werk "Novus Graecismus" (1244- ca. 1250) bietet neben einer Grammatik das Grundwissen des ma. Bildungskanons. Der "Libellus de naturis animalium" (ca. 1255) verarbeitet Isidor von Sevillas "Etymologiae". Der fragmentar. "Clipearius Teutonicorum" (vor 1264) beschreibt hochadlige Wappen und wurde wie die "Summa de arte prosandi" (Prosatext) vermutlich im notariellen Umfeld benutzt. Letztere war ein neuartiger Versuch, ein Lehrbuch der Diplomatik zu verfassen. Als bedeutendstes Werk K.s gilt die Enzyklopädie "Fabularius". Sie nahm die Artikel mehrerer Autoren auf und behielt ihre Wirkungskraft bis zum Ende des MA. Der "Liber Ordinarius" (auch "Breviarium chori Turicensis" genannt) steht im Zusammenhang mit K.s Tätigkeit als Kantor und war bis 1520 in Gebrauch. Die Wirkungsgeschichte K.s erfuhr durch Felix Hemmerli einen Aufschwung (einziger Druck des "Fabularius" 1470). In der Forschung gilt K. als Impulsgeber für die kulturelle Blüte Zürichs ab dem späten 13. Jh.


Werke
De naturis animalium, hg. von A.P. Orbán, 1989
Der Liber ordinarius des K., hg. von H. Leuppi, 1995
Literatur
ADB 34, 57 f.
– H.-E. Renk, Der Manessekreis, seine Dichter und die Maness. Hs., 1974
NDB 12, 547
VL 5, 236-244

Autorin/Autor: Christian Folini