Matthias von Neuenburg

geboren um 1295, gestorben zwischen 1364 und 1370. Aus einer patriz. Fam. der Stadt Neuenburg am Rhein (Breisgau). ∞ Elisabeth Münch, aus hochgestelltem Basler Geschlecht. 1315 und 1316 als Student des Kirchenrechts in Bologna belegt. 1327 am bischöfl. Gericht in Basel tätig, ab 1329 Advokat des Bf. von Speyer und Strassburg, Berthold von Buchegg. Im Investiturstreit stand M. auf kaiserl. Seite. In der Forschung lange Zeit umstritten war M.s Autorschaft einer Chronik, die in der Hauptsache die Jahre 1245 bis 1350 umfasst. Einige Manuskripte enthalten Fortsetzungen, diejenigen bis 1355 werden heute ebenfalls M. zugewiesen. Räuml. Zentrum der Chronik sind M.s Wirkungsorte Basel und, vermehrt ab 1328, Strassburg. Die mit einer Vorliebe für anekdot. Erzählen - bekannt sind die Geschichten um Rudolf von Habsburg - beschriebenen Ereignisse folgen sich in lockerer chronolog. Ordnung. Als zeitgenöss. Zeugnisse besonders wichtig sind die Schilderungen des Pesteinbruchs 1348-49 und der damit einhergehenden Judenverfolgungen und Geisslerzüge. Wohl auf der Basis dieser Materialsammlung verfasste M. eine Biografie Berthold von Bucheggs. Dieser stammte aus einer Dienstadelsfamilie des Aargaus, die besonders in der Person von Bertholds Bruder Matthias, dem Ebf. von Mainz, näher dargestellt wird.


Werke
Matthiae Neoburgensis Chronica cum continuatione et Vita Berchtholdi de Buchegg, hg. von G. Studer, 1866
– «Matthie Nuewenburgensis Chronica 1273-1350, Continuationes», in Fontes rerum germanicarum 4, hg. aus dem Nachlasse J.F. Böhmers von Alfons Huber, 1868, 149-297
Die Chronik des M., hg. von A. Hofmeister, 1924-40 (21955)
Literatur
– L. Weiland, Die Wiener Hs. der Chronik des M., 1891
– P. Moraw, «Polit. Sprache und Verfassungsdenken bei ausgewählten Geschichtsschreibern des dt. 14. Jh.», in Geschichtsschreibung und Geschichtsbewusstsein im späten MA, hg. von H. Patze, 1987, 695-726
– R. Sprandel, «Stud. zu M.», in Historiographia mediaevalis, hg. von D. Berg, H.-W. Goetz, 1988, 270-282
LexMA 6, 404
M., bearb. von H.-D. Mück, 1995

Autorin/Autor: Regula Schmid Keeling