Johannes von Winterthur

geboren um 1300 Winterthur,gestorben um 1348, vermutlich Lindau (Bayern). Über J., der sich auch Vitoduranus nannte, ist nur bekannt, was der Priester in seiner lat. Chronik preisgab und aus Sicht der ersten Person erzählte. Er besuchte 1309 die Schule in Winterthur. 1328 gehört er dem Minoritenkloster in Basel an, 1335 liess er sich in Schaffhausen und ab 1340 im Konvent in Lindau nieder. Von seiner in zwei Teilen geplanten Weltchronik ist (von Fragmenten abgesehen) nur der 2. Teil überliefert. Er liegt als Autograf in der Zentralbibliothek Zürich und reicht vom Pontifikat Innozenz' III. (1198-1216) bis 1348. Das Werk ist durch die Seelsorge des franziskan. Beichtvaters geprägt. J. bezog freimütig und in einer unliterar. Sprache Stellung für den Kaiser und gegen den Papst. Er berichtete von der Ermordung Kg. Albrechts I., vom Morgartenkrieg, der Brun'schen Zunftrevolution und weiteren Ereignissen der Schweizer Geschichte. In der Zeit ab 1340, die einen Drittel der Chronik ausmacht, behandelt J. schwerpunktmässig das Land am Bodensee. J. verfügte über einen weiten Horizont, wobei er Episodisches und Alltägliches aus seinem Predigtrepertoire neben polit. Gegebenheiten darstellte. Er beherrschte die Vulgata und die den Orden betreffenden Dekretalen des Kirchenrechts; Klassiker und historiograf. Werke waren ihm hingegen weniger geläufig. Die Chronik stellt eine kulturgeschichtl. Quelle ersten Ranges dar, die einen Blick auf die frühe Schweizer Geschichte, sowie den Alltag des einfachen Volkes erlaubt. Im MA hatte es keine breite Wirkung, es existieren aber vier neuzeitl. Abschriften.


Werke
Die Chronik Johanns von Winterthur, hg. von F. Baethgen, 1924
Literatur
NDB 10, 576 f.
– A. Borst, Mönche am Bodensee, 1978
– Feller/Bonjour, Geschichtsschreibung 2, 1979, 87-90

Autorin/Autor: Christian Folini