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Erlen

Polit. Gem. TG, Bez. Bischofszell. Die seit 1995 bestehende polit. Gem. umfasst die ehem. Munizipalgem. E. mit deren ehem. Ortsgem. Buchackern, Engishofen, Ennetaach, E. und Kümmertshausen sowie die zuvor zur ehem. Munizipalgem. Sulgen gehörende ehem. Ortsgem. Riedt. Das Strassendorf mit den Ortsteilen E.-Dorf, Ehstegen (838 Escislec) und Eppishausen an der Hauptstrasse Weinfelden-Amriswil und deren Kreuzung mit der Strasse nach Konstanz ist seit 1950 immer stärker zusammengewachsen. Polit. Gem.: 2000 3'068 Einw. Ehem. Munizipalgem. E.: 1870 1'127; 1950 1'453; 1970 1'857; 1990 2'298. Ehem. Ortsgem. E.: 1870 431 Einw.; 1950 611; 1970 1'006; 1990 1'232.

Vor 1798 gehörte E. in die sog. Hohen Gerichte, die dem eidg. Landvogt im Thurgau direkt unterstanden. Eppishausen und ein Haus in E. zählten zur Gerichtsherrschaft Eppishausen, während Ehstegen als äbt.-sankt-gall. Lehen zur Herrschaft Oberaach gehörte und bis 1812 eine eigene Gemeinde bildete. 1764 wurde in E., das bis dahin stets zur Pfarrei Sulgen gehört hatte, eine ref. Kirche gebaut, 1819 ein Begräbnisplatz und eine eigene Kirchenverwaltung geschaffen, bis 1992 die vollständige Lösung von Sulgen erfolgte. Die Katholiken der Gemeinde gehören zu Sulgen. E. erlangte im 17. und 18. Jh. grössere Bedeutung durch Leinwandhandel und Färberei. Die 1652 von Schocherswil zugezogene Fam. Brunschweiler förderte die Verbreitung von Spinnen und Weben als Heimindustrie und brachte E. einen wirtschaftl. Aufschwung. Im 19. Jh. kam die mechan. Stickerei als industrielles Gewerbe hinzu. Grosse soziale und strukturelle Veränderungen erfuhr E. seit 1951, als sich mit der Lista AG ein expandierendes Stahlbauunternehmen ansiedelte. Die Firma ist im Bereich von Büro-, Betriebs- und Lagereinrichtungen international tätig und beschäftigte 2004 ca. 350 Arbeitskräfte (1990 über 700) in E.


Literatur
– J.G. Kreis, Gesch. der urspr. Kirchhöre Sulgen, 1896
– E. Leisi, Chronik des Kt. Thurgau, 1950, 88-91
Kdm TG 3, 1962, 363 f., 370-383

Autorin/Autor: Verena Rothenbühler