Jacobus von Lausanne

Belegt ab 1303,gestorben 1321 Pons (Saintonge, Poitou-Charentes), von Vuadens. J. trat in das Dominikanerkloster Lausanne ein und zog dann nach Paris, wo er ab 1303 eine glänzende Universitätskarriere machte. 1311 Baccalaureus biblicus, 1314 Lektor der Sentenzen, Lizentiat und 1317 Magister der Theologie. Ab 1315 wirkte er als Prediger. Von 1318 bis zum Tod Prior der Dominikanerprovinz Frankreich. J. verfasste Kommentare zu den Büchern des Alten und des Neuen Testaments und rund 1'500 Predigten, in denen er den Wucher und die Macht der Herrschaftsträger anprangerte. Sein umfangreiches Werk ist noch wenig bekannt, da nie eine krit. Ausgabe erschienen ist. Es war im MA sehr populär, wie zahlreiche Handschriften und einige frühe Druckausgaben bezeugen. Später fiel J. in Vergessenheit und in Ungnade bei seinem Orden; sein Werk wurde auch nicht mehr Gegenstand gelehrter Untersuchungen. Der Grund dafür war wohl sein allzu umgangssprachlicher, als trivial beurteilter Stil. Verbindungen von J. mit seinem Kloster und seiner Heimatregion sind nicht belegt. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet die gemäss Ordenssatzungen erfolgte Schenkung seiner Bibliothek an den Lausanner Konvent; leider weiss man nichts über deren Bestand.


Literatur
– M. Reymond, «Jacques de Vuadens dit de Lausanne, dominicain, provincial de France au XIVe siècle», in Ann. frib. 2, 1914, 226-231
– T. Kaeppeli, Scriptores Ordinis Praedicatorum Medii Aevi 2, 1975, 323-329 (Bibl. und Verz. der Hs.)
– M.-P. Manello, «Per una edizione critica del Sermonario di Giacomo di Lausanne: il sermone «Mitto angelum meum»», in Salesianum 39, 1977, 389-429
– B. Andenmatten, «Les «Studia» des ordres mendiants à Lausanne (XIIIe - XVIe siècles)», in Ecoles et vie intellectuelle à Lausanne au Moyen Age, hg. von A. Paravicini Bagliani, 1987, 81 f.
HS IV/5, 108, 425, 436

Autorin/Autor: Bernard Andenmatten / PTO