Uttwil

Polit. Gem. TG, Bez. Arbon. 1803-70 Orts- und Munizipalgemeinde, ab 1870 Einheitsgemeinde. U. liegt nordwestlich von Romanshorn am Bodensee. 817 Huttinwillare. 1831 540 Einw.; 1850 606; 1900 553; 1950 842; 2000 1'439. Im 9. Jh. besass das Kloster St. Gallen zahlreiche Güter in U. Im 13.-14. Jh. waren der Bf. und das Heiliggeistspital von Konstanz Grundherren. 1267 erwarb das Kloster Münsterlingen von St. Gallen Grundbesitz, ab 1280 setzte es Vögte ein, 1413-1798 besass es das Niedergericht. Die älteste bekannte Offnung datiert von 1425. Kirchlich gehörte U. zu Romanshorn. Die 1276 erw. Adelheid-Kapelle war 1303 im Besitz des Klosters Münsterlingen. Deren Pfarrrechte gingen im 15. Jh. an die Anna-Kapelle über, die 1450 zur Kirche vergrössert wurde. U. sicherte sich dabei die Kollatur. 1524 wurde die Reformation eingeführt. Nachdem U. kirchlich ab 1588 vorübergehend mit Kesswil verbunden war, ist es seit 1618 eine Filiale von Kesswil. Im sog. Uttwilerhandel stritten sich 1644-51 das Kloster und die kath. Orte mit U. und Zürich wegen des Abbruchs der Adelheid-Kapelle. 1699 erhob Landvogt Jakob Schindler U. zum Kornmarktort. Im 18. Jh. schufen die Fam. Dölli und Uhler in U. den wichtigsten Umschlagplatz für Korn und Salz am westl. Bodenseeufer. Ihre Schiffe und Fuhrwerke brachten die Waren über See und Land bis Zürich und Genf. So zu Reichtum gelangt, bauten die Dölli stattl. Häuser, u.a. den 1722 erbauten Kehlhof (später Gasthaus Frohsinn), ein Gredhaus und evtl. das Schloss. Mit dem Bau des Hafens in Romanshorn und 1855 der Thurtallinie verlor U. seine Bedeutung als Handelsplatz. Im 19. Jh. entwickelte sich das Dorf zum Kur-, Künstler- und Literatenort, in dem u.a. der Architekt Henry van de Velde, der Dramatiker Carl Sternheim, der Maler Ernst Emil Schlatter und ab 1939 der Schriftsteller Paul Ilg lebten. Im 19. Jh. wurde in U. Getreide und Obst angebaut, Vieh- und Milchwirtschaft betrieben sowie eine Käserei eingerichtet. 1878-1922 existierten Stickereifabriken, 1882-99 eine Holzessigfabrik. 1907-96 bestand die Möbelfabrik Schubert & Schramm.


Literatur
– E. Stickelberger, U. im Spiegel seiner Vergangenheit, 1960 (SA aus Schweiz. Bodensee-Ztg., 2.9.1960)
– N. Schubert, U., das Dorf der Dichter und Maler, 1986
– P. Mäder, Ritter, freie Bauern und Lehensleute in Kesswil und U., 1993

Autorin/Autor: Erich Trösch