29/11/2016 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Roggwil (TG)

Polit. Gem. TG, Bez. Arbon, an der Strasse Arbon-St. Gallen gelegen, bestehend aus den im 20. Jh. zusammengewachsenen Haufendörfern Ober- und Unter-R. sowie zahlreichen Weilern, darunter Mammertshofen. 1870 entstand aus den 1803 gebildeten, territorial deckungsgleichen Orts- und Munizipalgemeinden die Einheitsgemeinde R. 854 Megenberti de Rocconwilare. 1850 1'284 Einw.; 1880 1'182; 1900 1'289; 1950 1'542; 2000 2'462. 854 gelangte R. über den bischöfl.-fürstäbt. Grenzvertrag an den Bf. von Konstanz, der die Gerichtsbarkeit Mitte des 13. Jh. als Erblehen an die von Hagenwil abtrat. 1264 kamen die Gerichte Hagenwil und R. zur Fürstabtei St. Gallen, die 1364 die von Breitenlandenberg (1432 Offnung) und 1513-1684 die von Bernhausen damit belehnte und die Gerichtshoheit 1685-1798 selbst übernahm. Um 1420 erwarben die Mötteli von Rappenstein den Turm, den sie zum Schloss ausbauten (1517-1798 Freisitz). 1578 wurde dieses an die Studer von Winkelbach, 1650 an die von Bernhausen vererbt, 1740-1805 war es in Klosterbesitz. Um 900 war R. Teil des Kirchspiels bzw. der Pfarrei Arbon, der die Roggwiler Katholiken Anfang des 21. Jh. noch immer angehörten. 1746 erfolgte die Loslösung der ref. Kirchgemeinde (stimmberechtigte Hintersassen) samt Kirchenbau (2005 renoviert). 1870 waren 78%, 1910 71% und 2000 noch 51% der Gemeindebevölkerung reformiert. Bis zur Errichtung der Kirche St. Otmar in R. 1963 besuchten die Katholiken die Gottesdienste in Arbon und Berg (SG). Im 2. Drittel des 19. Jh. entstanden die beiden Primarschulgemeinden R. und Freidorf-Watt. Neben der Dreizelgenwirtschaft (Kornbau) wurde Gemüse-, Flachs- und Obstbau, ab dem 19. Jh. vermehrt Vieh- und Milchwirtschaft (1900 sieben Käsereien) betrieben. Auf Gemeindegebiet standen fünf Mühlen und zwei Sägereien, um 1900 auch Stickereien, unter denen die meisten 1923 ihren Betrieb wieder eingestellt hatten. 1963 gründete Alfred Vogel die Bioforce AG, Produzentin von Phytotherapeutika. Dank der verkehrsgünstigen Lage setzte 1980 eine rege Wohnbautätigkeit ein. 2005 stellte der 1. Sektor 18%, der 2. 46% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– J. Huber, R., 2004
Tbl.: Ausg. für den Kt. Thurgau, 24.11.2004

Autorin/Autor: Erich Trösch