17/01/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Leuggern (Gemeinde)

Polit. Gem. AG, Bez. Zurzach, westlich des Unterlaufs der Aare gelegen, aus den Dörfern L., Gippingen, Hettenschwil und Etzwil und den Weilern Felsenau, Hagenfirst, Fehrental und Schlatt bestehend, sowie ehem. Amt, das bis zu seiner Auflösung 1798 die heutigen Gem. L., Böttstein, Full-Reuenthal und Leibstadt umfasste. 1231 Lutgern. 1850 1'193 Einw.; 1900 1'013; 1950 1'374; 2000 2'192. Röm. Wachtturm in Felsenau. Im 13. Jh. Teil des habsburg. Amts Waldshut, ab dem 14. Jh. eigenes Amt unter dem habsburg. Vogt von Baden, ab 1415 eines der inneren Ämter der eidg. Grafschaft Baden. Grundbesitz besassen die Frh. von Böttstein und Bernau. Letztere schenkten den Johannitern ausgedehnte Güter, aus denen 1248 die Kommende L. entstand. Im Besitz der Johanniter befand sich auch die 1231 erstmals bezeugte Kirche. Das bis heute so genannte Kirchspiel L. war im Wesentlichen identisch mit dem Amt L. und bis 1816 mit der Grossgemeinde L., dann verselbstständigten sich die Gem. Böttstein und Oberleibstadt (mit Full und Reuenthal). Die kath. Pfarrei L. behielt bis zur Abtrennung von Leibstadt 1880 die Ausdehnung des ehem. Amts. 1851-53 wurde die für die klassizist. Neugotik richtungsweisende Kirche nach Plänen von Caspar Joseph Jeuch errichtet. Innerhalb der Gem. L. bestanden bis 1971 fünf Ortsgemeinden, die in eigenen Versammlungen über ihre Infrastrukturaufgaben befanden. Gegen 1900 verschwand der Rebbau auf dem Gemeindegebiet. 1899 etablierte sich in Felsenau eine Gipsfabrik mit Bergwerk, die bis 1960 Gipsplatten herstellte und bis 1989 Gipsgestein abbaute. Die Aare setzte das angrenzende Kulturland und das Dorf Gippingen immer wieder unter Wasser, bis der Kanton 1887-1904 ihren Lauf korrigierte. Durch den Bau des Kraftwerks Klingnau 1931-35, dessen Anlagen linksufrig auf dem Gebiet L.s liegen, entstand der Stausee. Die Kreisbezirksschule wurde 1864 gegründet. Grösster Arbeitgeber war Anfang des 21. Jh. das 1897 eröffnete Bezirksspital (seit 1971 Regionalspital); 2000 stellte der 3. Sektor fast zwei Drittel der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Die Fähren in Kleindöttingen und Felsenau wurden 1892 und 1935 durch Brücken ersetzt. 1926 wurde ein Postautokurs nach Döttingen eingerichtet.


Literatur
– S. Brian Scherer et al., Das Kirchspiel L., 2001

Autorin/Autor: Christoph Herzig