30/07/2015 | Rückmeldung | PDF | drucken

Leibstadt

Polit. Gem. AG, Bez. Zurzach, die das gleichnamige Haufendorf zwischen Wandfluh und Rhein sowie den unmittelbar angrenzenden Weiler Bernau umfasst. Um 1240 Leibesteit. 1850 911 Einw.; 1900 838; 1950 772; 2000 1'298. Die Landesherrschaft lag im 13. und 14. Jh. bei Habsburg. Nach 1415 standen die beiden durch den Dorfbach getrennten Dorfteile Unterleibstadt und Oberleibstadt unter versch. Landesherrschaften; Ersteres zählte zum österr. Amt Laufenburg, Letzteres zum Amt Leuggern in der eidg. Grafschaft Baden. Niedergerichtsherrin wurde zu Beginn des 13. Jh. durch eine Schenkung der Herren von Bernau die Johanniterkommende Leuggern, wobei die Niedergerichtsrechte in Unterleibstadt umstritten blieben. 1635-1798 bildete dieser Ortsteil zusammen mit Schwaderloch die von Roll'sche Herrschaft Bernau. Oberleibstadt gehörte bis 1816 zur Gem. Leuggern und bildete danach eine eigene polit. Gem. (bis 1832 mit Full-Reuenthal) im Bez. Zurzach. Unterleibstadt war eine selbstständige polit. Gem. im Bez. Laufenburg. 1866 erfolgte die Vereinigung der beiden Gem. sowie die Zuteilung zum Bez. Zurzach. Die erste Schule wurde 1756 durch die Johanniter von Leuggern gegründet. 1880 schied L. aus dem Pfarreiverband mit Leuggern aus und bildete eine eigene kath. Pfarrei (bis 1956 mit Schwaderloch). Die 1871 abgebrannte Dorfkapelle wurde 1879-80 durch die heutige Pfarreikirche ersetzt. 1892 wurde die Eisenbahnstrecke Koblenz-Stein-Säckingen mit einer Station in L. eröffnet; seit deren Einstellung 1993 verkehrt ein Postautokurs. L. war bis weit ins 20. Jh. hinein von der Landwirtschaft geprägt. 1323 sind zwei Mühlen in L. erwähnt. 1973 wurde die Kernkraftwerk Leibstadt AG gegründet. Das grösste Kernkraftwerk der Schweiz, das ca. 4,8 Mrd. Fr. kostete, nahm 1984 den Betrieb auf. Es produzierte pro Jahr ca. 7,2 Mrd. kWh Strom und stellte ca. drei Fünftel der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– O. Vögele Die Gem. L., [1991]
– S. Brian Scherer et al., Das Kirchspiel Leuggern, 2001

Autorin/Autor: Christoph Herzig