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Küng, Erhart [Erhard]

geboren um 1420 Stadtlohn (Westfalen), gestorben vor dem 30.1.1507, aus Westfalen. ∞ 1) Enneli Wanner, Tochter des Hans, Steinhauers, 2) 1507 Dorothea (Nachname unbekannt). Lehre als Steinmetz, Wanderschaft, um die Mitte der 1450er Jahre Niederlassung in Bern (1456 erstmals erw.). Ab 1460 war K. Mitglied des Gr. Rats. 1479 wurde er zum Stadtwerkmeister ernannt. Sein Hauptbauvorhaben war die Erweiterung der Münsterplattform nach Westen. 1483 wurde er Münsterwerkmeister auf Lebenszeit. Als K.s Hauptwerk gilt das zwischen 1460 und 1481/83 entstandene "Jüngste Gericht" am mittleren Westportal des Berner Münsters, das er zusammen mit einer grösseren Anzahl von Gehilfen ausführte. Mit Gewissheit werden ihm weitere bedeutende Werke zugeschrieben: "Der Schmerzensmann" aus der Kartause Thorberg (Hist. Museum, Bern), zwei Holzaltäre im Wallis (Kathedrale Sitten, Pfarrkirche Ernen) sowie ein grösserer Bestand aus dem 1986 geborgenen Berner Skulpturenfund (u.a. der "Kruzifixus" Heinrichs IV. von Bubenberg, Niklaus von Scharnachtals "Erzengel Michael"). Auf Grund des Quellenbestands sowie der jüngsten Auswertung des Berner Skulpturenfunds kann K. als die wichtigste Künstlerpersönlichkeit im spätma. Bern vor Niklaus Manuel bezeichnet werden.


Literatur
– F.-J. Sladeczek, Erhart K., Bildhauer und Baumeister am Münster zu Bern um 1420-1507, 1990
BLSK, 596
– F.-J. Sladeczek, Der Berner Skulpturenfund, 1999

Autorin/Autor: Franz-Josef Sladeczek