• <b>Hans Fries</b><br>"Das Giftwunder". Flügel des kleinen Johannes-Altars von Freiburg, um 1506 (Schweizerisches Nationalmuseum). Bei geschlossenem Altar ist auf den Aussenseiten der Flügel in einer einheitlichen Komposition eine Episode der Legenda Aurea dargestellt. Ihr zufolge trank der heilige Johannes unbeschadet vom vergifteten Wein (links), den ihm der Oberpriester Aristodemos von Ephesos (rechts) zur Probe gereicht hatte. Zwei Verurteilte hingegen waren daran gestorben (unten).

No 4

Fries, Hans

geboren um 1465 Freiburg. Erwähnt zwischen 1480 und 1523. Sohn des Erhart Frieso, Bäckers, ab 1448 Bürgers von Freiburg. Cousin des Hans ( -> 3). Schüler des Berner Malers Heinrich Bichler, der ab 1470 in Freiburg tätig war. Vorerst führte F. kleinere Arbeiten aus (1480 erwähnt bei der Ablieferung eines bei Bichler bestellten Gedenkgemäldes an die Schlacht von Murten), 1487 Aufnahme in die Basler Zunft zum Himmel. Nach seinem Aufenthalt in Basel bildete sich F. in Süddeutschland weiter aus. Zurück in seiner Heimatstadt wurde er 1498 zum offiziellen Stadtmaler ernannt und erhielt zahlreiche öffentliche und private Aufträge. 1503-09 Mitglied des Rats der Fünfhundert; 1510 verliess er vermutlich seine Heimatstadt und liess sich in Bern nieder (1516 gesicherter Nachweis). Von den in Freiburg aktiven Künstlern war er der einzige Einheimische. Abgesehen von einigen Zeichnungen sowie der Bebilderung der Chronik von Peter von Molsheim (1480) besteht F.s Werk aus Tafelbildern auf Holz mit religiösen Themen. 1503-14 entstanden rund vierzig Gemälde. Die wichtigsten Werke sind Retabeln des Bugnon-Altars (1507, Kunsthist. Museum Freiburg), des Antonius-Altars (1506, Franziskanerkirche) und des Johannes-Altars (1514, Kunstmuseum Basel) sowie ein Marienzyklus (1512, darunter neun Szenen, die in Basel, Nürnberg und Hamburg aufbewahrt werden). F. zählte zu den realistischsten Malern seiner Zeit. Er war ein Erneuerer in Bezug auf die Ikonografie und die Darstellung der Welt, blieb aber in der ma. Tradition verankert. Seine starke Persönlichkeit und seine ausdrucksvolle Malerei, die auf eine intensive Beschäftigung mit religiösen Fragen schliessen lassen, machen ihn zu einem der Grossen seiner Zeit.

<b>Hans Fries</b><br>"Das Giftwunder". Flügel des kleinen Johannes-Altars von Freiburg, um 1506 (Schweizerisches Nationalmuseum).<BR/>Bei geschlossenem Altar ist auf den Aussenseiten der Flügel in einer einheitlichen Komposition eine Episode der Legenda Aurea dargestellt. Ihr zufolge trank der heilige Johannes unbeschadet vom vergifteten Wein (links), den ihm der Oberpriester Aristodemos von Ephesos (rechts) zur Probe gereicht hatte. Zwei Verurteilte hingegen waren daran gestorben (unten).<BR/>
"Das Giftwunder". Flügel des kleinen Johannes-Altars von Freiburg, um 1506 (Schweizerisches Nationalmuseum).
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Literatur
Kdm FR 1-3, 1956-64
BLSK, 352 f.
Hans F., un peintre au tournant d'une époque, Ausstellungskat. Freiburg, 2001

Autorin/Autor: Marianne Rolle / SK