• <b>Matthäus Ensinger</b><br>Standbild des heiligen Georg aus dem Berner Skulpturenfund, um 1430. Aus neun Fragmenten zusammengesetzter Torso (Bernisches Historisches Museum). Der für das Berner Münster geschaffene heilige Georg weist für die damalige Zeit aussergewöhnlich individuelle Züge auf. Der Typus des unberittenen Drachentöters wurde für die bürgerlichen Stände, und insbesondere für die Handwerker, zum Vorbild, während der Adel Georg zu Pferd bevorzugte. Im Bildersturm von 1528 wurde die Statue von ihrem Standort entfernt und als Füllmaterial für die Münsterplattform verwendet. 1986 wurde sie bei Ausgrabungen wieder entdeckt.

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Ensinger, Matthäus

geboren ca. 1395 Ulm, gestorben 1463 Ulm, vermutlich aus Ensingen bei Ulm stammend. Sohn des Ulrich, Baumeisters und Bildhauers. ∞ 1) unbekannte Bernerin, 2) Dorothea Trogen aus Bern. Steinmetzlehre bei seinem Vater an der Strassburger Bauhütte, Abschluss mit dem Meistertitel. In diese Zeit fällt der Turmriss des Strassburger Münsters, der jedoch nicht mit Sicherheit E. zugeschrieben werden kann. 1420 wurde er als Baumeister des neu zu errichtenden Münsters nach Bern berufen. Er bekleidete dieses Amt bis 1451, obschon er bereits 1446 zum Werkmeister des Münsters von Ulm ernannt worden war. Die Gestalt des Berner Münsters geht im Wesentlichen auf E.s Entwürfe zurück. Er war zudem als Architekt am Ulmer Münster, an der Kollegiatskirche in Niederhaslach (Elsass), an der Esslinger Frauenkirche (Württemberg) sowie an der Kirche Notre-Dame in Ripaille (Savoyen) am Genfersee tätig. Von den bildhauerischen Arbeiten liessen sich bisher folgende Werke sicher E. zuordnen: Die 1425 in der Berner Münsterbauhütte gefertigten Figuren der Gf. Johann und Konrad von Freiburg für die Kollegiatskirche von Neuenburg (heute das Grabmal der Gf. von Neuenburg flankierend), sowie die 1433/34 gefertigten hölzernen Schreinfiguren vom Heilspiegelaltar von Konrad Witz (St. Leonhard, Basel), die nicht mehr erhalten sind. Mit E. und seiner Werkstatt stehen ferner einige der 1986 unter der Berner Münsterplattform entdeckten Skulpturen in Verbindung, so u.a. das Standbild einer Georgsfigur im Kampf mit dem Drachen. E. gilt als Bildhauer der Übergangszeit: Obschon seine Figuren noch den schönlinigen Formen des weichen Stiles verpflichtet sind, zeigen sie bereits deutl. Tendenzen, sich von der idealisierten Formensprache um 1400 zu lösen.

<b>Matthäus Ensinger</b><br>Standbild des heiligen Georg aus dem Berner Skulpturenfund, um 1430. Aus neun Fragmenten zusammengesetzter Torso (Bernisches Historisches Museum).<BR/>Der für das Berner Münster geschaffene heilige Georg weist für die damalige Zeit aussergewöhnlich individuelle Züge auf. Der Typus des unberittenen Drachentöters wurde für die bürgerlichen Stände, und insbesondere für die Handwerker, zum Vorbild, während der Adel Georg zu Pferd bevorzugte. Im Bildersturm von 1528 wurde die Statue von ihrem Standort entfernt und als Füllmaterial für die Münsterplattform verwendet. 1986 wurde sie bei Ausgrabungen wieder entdeckt.<BR/>
Standbild des heiligen Georg aus dem Berner Skulpturenfund, um 1430. Aus neun Fragmenten zusammengesetzter Torso (Bernisches Historisches Museum).
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Literatur
– L. Mojon, Der Münsterbaumeister Matthäus E., 1967
– P. Kurmann, B. Kurmann-Schwarz, «Die Architektur und die frühe Glasmalerei des Berner Münsters in ihrem Verhältnis zu elsäss. Vorbildern», in Bau- und Bildkunst im Spiegel internat. Forschung, 1989, 194-209
The Dictionary of Art 10, 1996, 407 f.
– B. Kurmann-Schwarz, Die Glasmalereien des 15. bis 18. Jh. im Berner Münster, 1998
– F.-J. Sladeczek, Der Berner Skulpturenfund, 1999

Autorin/Autor: Franz-Josef Sladeczek