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Murgenthal

Polit. Gem. AG, Bez. Zofingen. Die 1901 gegr. Gemeinde liegt an der Einmündung der Murg in die Aare an der Grenze zwischen den Kt. Aargau und Bern und umfasst neben dem gleichnamigen Dorf die Weiler Walliswil, Balzenwil, Glashütten und Riken, wobei die drei Letzteren Rodungsinseln im grösstenteils bewaldeten Gemeindeterritorium bilden. 1255 Murgatun. 1764 773 Einw.; 1910 2'171; 1950 2'638; 2000 2'741. Die Herrschaftsrechte lagen bis 1299 bei den Gf. von Frohburg, danach bei den Habsburgern und 1415-1798 bei der Stadt Bern. 1640-45 liess der Landvogt von Aarburg, Jakob Wyss, den 8,5 km langen Rotkanal bauen, der Wasser aus der Murg zu den Magerwiesen in Rothrist leitet. Unter bern. Herrschaft waren die Dorfbewohner nach Wynau und Roggwil kirchgenössig. 1817 erfolgte die Einrichtung der Kirchgemeinde Riken und 1901 deren Umbenennung in Kirchgemeinde M. Die 1852-54 im neurom. Stil erstellte Kirche in Glashütten wurde 1964 durch einen Neubau ersetzt. 1798-1802 war M. Teil des Kt. Bern, seit 1803 gehört es zum Kt. Aargau. Das Dorf M. zählte bis 1900 zur Gem. Riken. 1901 vereinigte sich diese mit der Gem. Balzenwil zur Gem. M. Im 18. Jh. breitete sich die Heimindustrie in M. aus, mit Zofingen als Zentrum. 1857 erhielt M. einen Bahnhof an der Linie Olten-Bern, 1863 entstand die Holzbrücke über die Aare nach Fulenbach. Mit dem Eisenbahnbau setzte die eigentl. Industrialisierung ein, wobei der Rotkanal auch Energie für die Fabriken lieferte. 1856 nahm die Weberei Grossmann (später Künzli & Co.) den Betrieb auf. 1881 gründete Arnold Künzli mit Partnern die Strickerei His & Cie., die bis 1976 in M. produzierte. Ferner bestand u.a. eine Korbwaren- und ab 1894 eine Holzwarenfabrik. Das Dorf M. entwickelte sich dank Bahn und Fabriken zum Siedlungsschwerpunkt der Gemeinde. 1920 arbeiteten 63% der Erwerbstätigen in Gewerbe und Industrie, 2005 noch 28%. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Gem. hat sich im Zuge von Fabrikschliessungen zwischen 1950 (1'485 Arbeitsplätze) und 1990 fast halbiert. Schulen bestanden ab dem 17. Jh.; Schulhäuser wurden 1825 in Glashütten, 1826 in Balzenwil, 1842 in Riken und 1883 in M. gebaut.


Literatur
– K. Siegrist, Murgenthaler Dorfchronik, 1969
Zofinger Tbl., 28.6.2001

Autorin/Autor: Christian Lüthi