No 18

Berger, Jörg

geboren 1470-80 Zürich,gestorben zwischen 24.6. und 17.7.1533 Zürich, von Zürich. Sohn des Hans ( -> 8). Wohlhabend. 1509-29 war B. Zwölfer (Grossrat) der Zunft zum Weggen. 1513-29 verwaltete er die Landvogtei Grüningen. Von 1529 bis zu seinem Tod war er Mitglied des Kl. Rats, 1530-33 Seckelmeister. 1515 diente er in der Schlacht von Marignano als Fähnrich, im Papstzug 1521 als Hauptmann, im 1. Kappelerkrieg 1529 als Pannerhauptmann.

Als gewissenhafter Verwaltungsmann legte B. 1519 ein Amtsbuch der Landvogtei Grüningen an, das er bei seinem Amtsende noch revidierte. Während der Bauernunruhen zur Reformationszeit wuchs er in eine besondere Rolle hinein: Nachdem es, wie in andern Teilen der Zürcher Landschaft, auch im Grüninger Amt schon einige Zeit gegärt hatte, entluden sich die wirtschaftlich-sozialen und die religiösen Spannungen im Frühjahr 1525 in zwei Stürmen auf das Kloster Rüti. B. gelang es, die Bauern zum Abfassen ihrer Beschwerden zu bewegen und so die Scharfmacher kaltzustellen. Zwar wurden versch. Bauernversammlungen angekündigt, aber im Gegensatz zum Zürcher Rat bewahrte der Landvogt Ruhe: Er rechnete damit, dass die Bauern (u.a. wegen des Proviantproblems) nicht lange an ihren Versammlungsorten weilen konnten. In Briefen an den Rat vertrat er den Standpunkt, die Obrigkeit habe die Prüfung der Eingaben versprochen und damit ihren Begehren vorerst Genüge getan. Mit dieser Argumentation setzte er sich beim Rat durch. Den gleichen Rechtsstandpunkt nahm er gegenüber den aufrührerischen Pfarrern ein. Diese Grundsätzlichkeit schloss nicht aus, dass B. im Einzelfall Milde zeigte. So setzte er sich dafür ein, Strafen oder auch Zehnten zu reduzieren.


Literatur
– W. Jacob, Polit. Führungsschicht und Reformation, 1970, 127-129
– P. Kamber, Reformation und Revolte in Zürich, 1522-1525, 1998

Autorin/Autor: Heinzpeter Stucki