No 3

Ardüser, Johann

geboren 25.2.1585 Davos,gestorben 28.3.1665 Zürich, ref., aus führendem Davoser Geschlecht. Sohn des Feldschreibers Christen und der Drina Portmann. ∞ 1624 Elisabeth Ziegler, Witwe des Johann Jakob Holzhalb. Zu seiner Ausbildung notierte A. in seinem 1627 erschienenen Lehrbuch über Geometrie: Durchreisung fremder Nationen und Länder, prakt. Tätigkeit neben und unter Kriegsobristen und Baumeistern, v.a. General Camillo Caracciolo, Principe d'Avellino in Neapel (gestorben 1617). Nachher Ingenieur im Dienst des in venezian., dann in schwed. Sold stehenden württemberg. Obersten Bernhard Schaffalitzki. Auf dessen Empfehlung stellte die Stadt Zürich A. im Hinblick auf die notwendige Neubefestigung 1620 als Stadtingenieur an. A. übernahm auch auswärtige Aufträge und Begutachtungen für Befestigungen, z.B. in Graubünden und Schaffhausen. 1642 begann er in schwierige Zusammenarbeit mit Hans Georg Werdmüller das Zürcher Festungswerk auszuführen. Ab 1657 war er Mitglied des Gr. Rats von Zürich. Von seinem breiten Horizont zeugen die Lehrbücher "Geometriae theoricae et practicae" (1627) und "Architectura von Vestungen" (1651). Weit darüber hinaus weisen seine im Jan. 1665 der Stadtbibliothek übergebenen, gebundenen Plansammlungen mit eigenen und fremden Rissen (heute in der Zentralbibliothek Zürich). Sie bieten Stadt- und Festungspläne aus ganz Europa sowie sakrale und profane Architektur, Säulenordnungen, Portale, Brunnen, Grabmäler und Altäre, deren Grundstock die Stadt Rom betrifft. Dies lässt erkennen, dass A. seine Ausbildung nicht nur in Neapel, sondern auch bei den in Rom wirkenden Tessiner Architekten Domenico Fontana und Carlo Maderno absolviert haben muss. Dutzende von anderen Plänen gehören zu wichtigen Bauten im übrigen Italien, in Süddeutschland und in Zürich. 1627 sprach A. von der Absicht, eine "Architectura civilis" herauszugeben, gab die Idee aber auf.


Literatur
SKL 1, 47 f.
– A. Reinle, Ital. und dt. Architekturzeichnungen, 16. und 17. Jh., 1994, 165-357

Autorin/Autor: Adolf Reinle