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Röist, Marx

geboren 29.7.1454 Zürich, gestorben 15.6.1524 Zürich, von Zürich. Sohn des Heinrich, Ratsherrn, und der Verena Kuon. ∞ 1) 1477 Barbara Schad, Tochter des Jacob, aus Mittelbiberach (Schwaben), 2) Dorothea Göldli, Tochter des Heinrich Göldli. R. war ein reicher Rentner. 1476 begann er seine polit. Karriere als Schultheiss, 1489 vertrat er die Konstaffel zuerst im Hörnernen Rat, danach im Gr. Rat. Ein Jahr nach seiner Wahl in den Kl. Rat 1493 wurde R. Seckelmeister und war zusätzlich ab 1498 Reichsvogt von Altstetten. Mit der Wahl zum Bürgermeister 1505 gelangte er endgültig an die Spitze Zürichs. Sein polit. Einfluss auf eidg. und auch europ. Ebene war bedeutend. R. nahm an der Mehrheit der über 160 Tagsatzungen und eidg. Konferenzen teil, die 1500-20 in Zürich abgehalten wurden. Auf internat. Parkett führte er 1499 die eidg. Gesandtschaft zu Ludwig XII. und handelte ein neues Soldbündnis mit Frankreich aus. 1512 führte R. eine weitere Delegation mit dem gleichem Ziel und Resultat zu Papst Julius II. Nach der Schlacht von Murten 1476, wo er zum Ritter geschlagen wurde, spielte er in sämtl. Kriegszügen militärisch oder politisch eine wichtige Rolle. R. befehligte die eidg. Truppen sowohl bei der Schlacht von Marignano 1515 wie auch beim Rückzug. 1517 wurde er zum 2. Kommandanten der päpstl. Schweizergarde ernannt, liess sich in Rom aber bis 1524 von seinem Sohn Caspar vertreten. In religiösen Angelegenheiten ging er mit Huldrych Zwingli in der Pensionenfrage und der Absicht, Gotteswort richtig zu interpretieren und zu befolgen, einig. R. stellte sich jedoch vehement gegen die Entfernung der Bilder aus den Kirchen. Sein Tod kam wohl einem Bruch mit Zwingli zuvor, und der Rat von Zürich erliess bezeichnenderweise noch am Todestag von R. das Mandat, das den Bildersturm auslöste.


Literatur
– W. Jacob, Polit. Führungsschicht und Reformation, 1970, 235 f.
– R. Walpen, Die päpstl. Schweizergarde, 22006, 64-66

Autorin/Autor: Martin Lassner