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Waldmann, Hans

geboren um 1435 Blickensdorf (Gem. Baar), gestorben 6.4.1489 Zürich, ab 1452 Bürger von Zürich. Sohn des Hans und der Katharina Schweiger. ∞ um 1462 Anna Landolt, Witwe des Ulrich Edlibach. Nach einer Schneider- und einer Gerberlehre fand W. ein Auskommen als Söldner u.a. im Plappartkrieg 1458 und bei der Eroberung des Thurgaus 1460. In den 1460er Jahren stieg er in den Eisenhandel ein und wurde dank seiner Heirat mit der reichen Witwe Ulrich Edlibachs dessen Nachfolger als Amtmann des Klosters Einsiedeln in Zürich. Über dieses einträgl. Amt fand W. Aufnahme in der Konstaffel, blieb aber wegen seiner einfachen Herkunft in dieser Gesellschaft mit ihrem ausgeprägt adligen Selbstverständnis ein Aussenseiter. Nach einem vergebl. Versuch bei der Gerberzunft 1466 wählte ihn die Zunft zum Kämbel 1473 zu ihrem Zunftmeister. Während der Burgunderkriege profilierte sich W. als Anführer der Zürcher Truppen, so 1476 in der Schlacht bei Murten, wo er zum Ritter geschlagen wurde, und 1477 in der Schlacht bei Nancy sowie auch 1478 bei der Belagerung von Bellinzona. Er stand an der Spitze der eidg. Gesandtschaften zu den Verhandlungen mit Österreich 1476, mit Frankreich 1477 sowie mit Mailand 1479 und erhielt Pensionen von den Fürsten. Nachdem W. in Zürich 1476 bereits Bauherr geworden war, wirkte er ab 1480 als Obristzunftmeister, d.h. Statthalter des Bürgermeisters. Im sog. Hohenburger Handel 1482, der mit der Hinrichtung des aus dem Elsass nach Zürich geflohenen und als Stadtbürger aufgenommenen Ritters Richard von Hohenburg endete, nahm W. eine opportunist. Haltung ein und drängte Bürgermeister Heinrich Göldli 1483 teilweise und 1485 endgültig aus seinem Amt. Als Bürgermeister prägte er die zürcher. und eidg. Politik massgeblich. Unter seinem Einfluss entschied ein eidg. Schiedsgericht in Zürich 1487 den Grenzstreit zwischen dem Sittener Bf. Jost von Silenen und dem Hzg. von Mailand. Die Niederlage der Walliser und Luzerner Söldnertruppen im nachfolgenden Krieg im Val d'Ossola gegen Mailänder Truppen, die Enthauptung des Luzerner Söldnerführers Frischhans Teiling in Zürich 1487 und der Abschluss der durch W. betriebenen und für ihn lukrativen neuen Erbeinung mit Kg. Maximilian I. im gleichen Jahr führten zu breiter Empörung. Seine Politik der Stärkung der Stadt Zürich ohne Berücksichtigung der polit. und wirtschaftl. Bedürfnisse der Landgebiete überschritt ein krit. Mass. Schliesslich löste die Tötung der angeblich jagdschädigenden Hunde den Aufstand der Bauern in der Zürcher Landschaft aus. Den durch eidg. Vermittlung zustande gekommenen Vergleich änderte W. durch Stadtschreiber Ludwig Ammann nachträglich ab und versetzte damit auch die Bürgergemeinde in Aufruhr. Diese liess W. und seine Anhänger verhaften. Nach tagelangen Folterungen wurde er enthauptet.


Quellen
Dok. zur Gesch. des Bürgermeisters Hans W., gesammelt und hg. von E. Gagliardi, 2 Bde., 1911-13
Literatur
– O. Sigg, Hans W., 1989
GKZ 1, 323, 328-330
– U. Vonrufs, Die polit. Führungsgruppe Zürichs z.Z. von Hans W. (1450-1489), 2002
– M. Illi, Die Constaffel in Zürich, 2003, 47-49

Autorin/Autor: Martin Lassner