12/06/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Möhlin

Polit. Gem. AG, Bez. Rheinfelden. Strassendorf entlang des Möhlinbaches mit Ober- und Untermöhlin sowie Riburg und der Wüstung Rappershausen. 794 Melina. 1768 1'102 Einw.; 1850 1'940; 1900 2'209; 1950 3'830; 2000 8'297. Jungsteinzeitl. Siedlungsstelle im Chleizelgli, bronzezeitl. Funde, Herrenhaus eines röm. Gutshofes aus der Mitte des 1. Jh., Spuren von drei Wachttürmen des spätröm. Rheinlimes und eines möglicherweise früh- oder hochma. Refugiums. Im 13. Jh. ist ein zähring. Dienstleutegeschlecht (Ritter von Meli), im 15. Jh. ein Rheinfelder Schultheissengeschlecht (Junker von Meli) belegt. Die Gem. M., die als Verdichtung aus acht Weilern entstand, erscheint im 15. Jh.; 1473 sind erstmals Geschworene bezeugt. Das Gemeindegebiet stand 1135-1797 unter habsburg.-österr. Landesherrschaft und bildete einen Teil der Landschaft Möhlinbach in der Herrschaft Rheinfelden (österr. Hoch- und Niedergericht); 1803 kam es mit dem Fricktal zum neu gegr. Kt. Aargau. Die Siedlung Rappershausen wurde während des Dreissigjährigen Kriegs zerstört. Die Kirche erscheint im 8. Jh. mit Germanus-, vom 10. Jh. an mit Leodegarspatrozinium; sie wurde 1609 neu errichtet. Der Kirchensatz gelangte von der Abtei Ettenheim (Breisgau) 1314 an Jakob von Wart, 1327 an das Deutschritterhaus Beuggen und lag 1803-63 beim Staat Aargau. Die zwei Kapellen in Obermöhlin und Riburg stammen aus dem 17. und dem frühen 18. Jh. Die christkath. Gemeinde konstituierte sich 1873; sie übernahm damals auch die Kirche (1954 renoviert). In den 1940er Jahren wurden eine röm.-kath. und eine ref. Kirche gebaut. Wirtschaftl. Grundlage waren bis ins 20. Jh. Getreidebau und Graswirtschaft (Wässerwiesen); Verdienstmöglichkeiten bot ab Ende des 19. Jh. auch der Salzabbau in Riburg (in Rheinfeldner Gemeindegebiet). Der Anschluss an die Bözbergbahn (eigene Station) erfolgte 1875, derjenige an die Autobahn A3 in den 1970er Jahren. Im 20. Jh. zogen vermehrt Gewerbe- und Industriebetriebe zu; in architekton. Hinsicht bemerkenswert ist die in den 1930er Jahren entstandene Schuhfabrik Bata (Produktionseinstellung 1990) und die dazugehörige Werksiedlung.


Literatur
– K. Schib, Gesch. des Dorfes M., 1959
– M. Hartmann, Die Römer im Aargau, 1985, 183 f.
– W. Brogli, «Eine jungsteinzeitl. Siedlungsstelle bei M. AG», in Vom Jura zum Schwarzwald 64, 1990, 57-71

Autorin/Autor: Dominik Sauerländer