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Kaiseraugst

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Polit. Gem. AG, Bez. Rheinfelden. Brückendorf am Rhein, 1442 bei der Aufteilung des alten Dorfes Augst in Augst und Kaiseraugst entstanden. 752 Augusta. 1758 215 Einw.; 1850 405; 1900 595; 1950 842; 1970 1'311; 2000 3'917.

1 - Römische Zeit

Nach dem Verlust der rechtsrhein. Gebiete errichtete das röm. Militär auf dem Gebiet der Unterstadt von Augusta Raurica zur Sicherung des Rheinübergangs und als Hauptquartier der legio I Martia um 300 n.Chr. das Militärkastell Castrum Rauracense. Dem Kastell kam im 4. Jh. grosse Bedeutung zu, lag es doch mit seiner Brücke an der Verbindungsstrasse von Gallien zu den Donauprovinzen. Sowohl Ks. Constantius II. als auch Ks. Julian Apostata führten von hier aus Feldzüge gegen die Alemannen. Nach dem Erlöschen der röm. Herrschaft zu Beginn des 5. Jh. blieb das Kastell bewohnt. Zur rom. Bevölkerung gesellten sich zunehmend germ. Einwanderer. Das Kastell und seine Kirche dienten ab Mitte 4. Jh. n.Chr. als Bischofssitz (346 n. Chr. Bischof erw.) Im 7. Jh. wurde dieser nach Basel verlegt, und die Siedlung verlor ihre Bedeutung.

Das unregelmässig rechteckige Kastell hat eine Fläche von 3,6 ha. Seine 4 m dicke Befestigungsmauer war mit mind. 17 quadrat. Türmen versehen und von einem 10 m breiten Graben umgeben. Im Innern befanden sich im Südwestteil ein als Magazin (Horreum) gedeutetes Gebäude und östlich davon zwei hallenähnl. Bauten. Der Nordwestteil grenzte mit Portiken an die in west-östl. Richtung verlaufende Hauptstrasse. Nördlich davon lagen die röm. Thermen mit beheizten Räumen, Kalt- und Warmwasserbecken sowie weiteren Aufenthaltsräumen. Im Nordostsektor wurden Reste einer frühchristl. Kirche mit angebautem Baptisterium freigelegt. Auf dem Plateau südöstlich des Kastells befanden sich im 4. bis 7. Jh. belegte Gräberfelder.

Autorin/Autor: Martin Hartmann

2 - Frühmittelalter bis heute

Nachdem im 7. Jh. der Bischof weggezogen war, schenkte 894 der ostfränk. Kg. Arnulf die Kirche aus dem Königsgut seinem Vasallen Anno, von dem es an das Kloster St. Gallen, von da an das Domstift Basel und 1803 an den Kt. Aargau überging. Die um 400 n. Chr. erbaute Kirche wurde 1749 neu erstellt. 1878 trat die Mehrheit der Kirchgemeinde zum christkath. Glauben über und erhielt die Kirche zugesprochen. 1900-01 wurde eine röm.-kath. Kirche erbaut, 1903 eine röm.-kath. Kirchgemeinde gegründet und das Kirchengut auf beide Konfessionen verteilt.

1442, als Augst in zwei Dörfer aufgeteilt wurde, erhielt K. zunächst die Bezeichnung Augst im Dorf, später seinen Namen K. aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Fricktal, das zur Herrschaft der Habsburger gehörte, die ab 1438 auch Könige bzw. Kaiser des Hl. Röm. Reiches waren. Die hohe und niedere Gerichtsbarkeit hatte damals die Herrschaft Rheinfelden inne. 1803 kam K. mit den Herrschaften Rheinfelden und Laufenburg zum Kt. Aargau und damit zur Schweiz.

Das ursprüngl. Fischer-, Flösser- und Bauerndorf war im 19. Jh. Standort einer Salzsaline (1843-1909) und der ersten schweiz. Zellulosefabrik (1888-1930). Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte es sich zu einer rasch wachsenden Wohn- und Industriegemeinde der Agglomeration Basel. Anfang der 1960er Jahre stand K. als Kernkraftwerk-Standort zur Diskussion. Aufgrund des Widerstandes in der Bevölkerung (Besetzung des Geländes 1975) und unter dem Eindruck des Reaktorunglücks in Tschernobyl einigten sich jedoch 1988 Bundesrat und Kernkraftwerk Kaiseraugst AG auf einen Bauverzicht bei teilweiser Vergütung der Kosten.

Autorin/Autor: Dominik Sauerländer

Quellen und Literatur

Literatur
– R. Laur-Belart et al., Gesch. von Augst und K., 1962
– R. Laur-Belart, Die frühchristl. Kirche mit Baptisterium und Bad in K., 1967
– M. Hartmann, Die Römer im Aargau, 1985
– M. Baumann, «Fischer am Hochrhein», in Argovia 105, 1993, 1-202
– L. Berger, Führer durch Augusta Raurica, 61998