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Scotti, Ranuccio

geboren 19.7.1597 Parma, gestorben 10.5.1661 Piacenza, Sohn des Orazio, Marchese di Montalbo, und der Lucrezia Alciati. Signaturreferendar, 1627 Bf. von Borgo San Donnino (heute Fidenza), danach Priesterweihe, 1630-39 päpstl. Nuntius in Luzern, 1639 in Paris, 1643 Gouverneur der Marken, 1653 Maggiordomo. Während des Dreissigjährigen Kriegs verfolgte der eher frankreichfreundl. S. einen neutralen Kurs im Konflikt zwischen der span. und franz. Partei innerhalb der kath. Orte. In Graubünden setzte sich S. während der Bündner Wirren für das schwache Bistum Chur und die Erhaltung der kath. Vorherrschaft im Untertanengebiet Veltlin ein. Mit den fünf inneren Orten pflegte er regen Kontakt, während das Fürstbistum Basel und sämtl. zur Nuntiatur gehörenden Gebiete nördlich des Rheins wegen des Kriegs weitgehend seiner Kontrolle entzogen waren. Dank S.s Ausgleichsbemühungen konnte der Walliser Bf. Hildebrand Jost nach Sitten zurückkehren; im Tessin blieben grosse Auseinandersetzungen mit den staatskirchlich gesinnten inneren Orten aus. Im Matrimonial- und Kollaturstreit in den eidg. Landvogteien Thurgau und Rheintal musste S. die Durchsetzung der konfessionellen Parität hinnehmen. Erfolglos blieben auch seine Verhandlungen zum Einbezug der kath. Orte in eine geplante ital. Liga gegen Schweden. S.s Interesse für die Schweiz zeigt sich in seiner 1642 veröffentlichten "Helvetia profana e sacra" und der Stiftung des Hauptaltars der erneuerten Hofkirche in Luzern.


Literatur
HS I/1, 46
– P.L. Surchat, Die Nuntiatur von Ranuccio S. in Luzern, 1630-1639, 1979
L'Helvetia profana e sacra di Mons. Ranuccio S., nunzio apostolico in Svizzera, hg. von G.P. Pozzi, 2000

Autorin/Autor: Urban Fink