30/10/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Merenschwand

Polit. Gem. AG, Bez. Muri, und 1394-1802 luzern. Amt. Haufendorf am Rande der Reussebene mit den Weilern Unterrüti, Rickenbach und Hagnau. 12. Jh. Meriswanden (Kopie 14. Jh.), 1263 Meriswandon. 1798 618 Einw.; 1850 1'212; 1900 1'230; 1950 1'196; 1970 1'351; 2000 2'171. Eine Seeufersiedlung (an heute verlandetem See) aus der späten Bronzezeit wurde in der Rütiweid entdeckt. Die Hinweise auf eine Burgenstelle und ein Rittergeschlecht blieben bis anhin unbestätigt. M. stand bis 1293 unter Homberger Herrschaft und kam dann an die Herren von Hünenberg. 1393 kaufte sich die Gem. mit einem Darlehen von Luzern aus der Herrschaft aus, nachdem zahlreiche Gemeindegenossen bereits Ausburger der Stadt Luzern geworden waren; 1394 erfolgte der formelle Eintritt in das Luzerner Bürgerrecht. M. wurde damit Zentrum der gleichnamigen Landvogtei, die sich ihren Landvogt selbst aus dem Luzerner Patriziat wählte und zu der auch die seit 1810 bzw. 1813 eigenständigen polit. Gemeinden Mühlau und Benzenschwil gehörten. Die Amtsgemeinde genoss bis 1798 eine relativ autonome Verwaltung unter einem einheim. Untervogt; daneben bildeten die einzelnen Siedlungen selbstständige Genossenschaften. Die Taverne zum Schwanen (heutiger Bau aus dem 17. Jh.) war gleichzeitig Gerichts- und Gemeindehaus. Die 1245 erstmals genannte homberg., dann hünenberg. Eigenkirche St. Vitus (1897-99 Neubau unter Einbezug des spätgot. Chors) ist Zentrum der Pfarrei M., zu der noch heute Benzenschwil zählt, während Mühlau seit jeher nach Sins pfarrgenössig ist. Der Kirchensatz wurde 1389 an das Kloster Kappel verkauft, ging 1531 an das Kloster im Hof (Luzern) über und kam 1856 an den Kt. Aargau. Die Hünenberger stifteten 1332 die Marienkaplanei, die Pfarrgemeinde 1483 die Antoniuskaplanei, Hofbesitzer in Hagnau um 1600 die dortige Kapelle St. Wendelin. Der Bau der Kapelle Maria-Hilf in Unterrüti stammt von 1868. Die Gem. wurde 1802 vorübergehend dem Kt. Zug und dann 1803 dem Kt. Aargau angeschlossen. Schwanenwirt Johann Heinrich Fischer führte 1830 rund 6'000 Mann im sog. Freiämtersturm nach Aarau und erzwang damit eine neue demokrat. Kantonsverfassung. Im 19. und 20. Jh. war M. in die Verlagssysteme der Strohflechterei für Wohler Handelshäuser sowie der Seidenweberei für Zürcher Unternehmer eingebunden. Im letzten Viertel des 20. Jh. entwickelte sich M. zur Wohngemeinde im Einzugsgebiet von Zürich und Zug, was eine entsprechende Bautätigkeit nach sich zog. 2005 stellten Gewerbe und Industrie 624 der insgesamt 1'029 Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– H. Müller, Die Gem. M. seit 1798, 1993
– D. Sauerländer, Gesch. des Amtes M., 1999

Autorin/Autor: Dominik Sauerländer