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Boccapaduli, Francesco

geboren 3.4.1600 Rom,gestorben 23.11.1680 Rom, aus röm. Patriziat. 1612 Benefiziat in St. Peter in Rom, 1638-47 Bf. von Valva-Sulmona, 1647-72 Bf. von Città di Castello, 1647-52 Nuntius in der Schweiz, 1652-55 Nuntius in Venedig, 1675-80 Titularebf. von Athen. B. war bestrebt, die kath. Schweiz aus dem Konflikt zwischen Frankreich und Österreich herauszuhalten. Er erreichte, dass Frankreich von einer konfessionell begründeten Unterstützung der kath. Kantone Abstand nahm. Er förderte die gegen die Reformierten gerichtete Politik des kath. Vororts Luzerns, indem er die Jesuiten im Tessin (Kolleggründung in Bellinzona) und Wallis unterstützte und die Vertreibung der Kapuziner aus Graubünden verhinderte. B. war besonders den Klöstern gewogen und schützte deshalb das Kloster Reichenau gegen die Ansprüche des Bf. von Konstanz. Als harter Verfechter der päpstl. Rechte richtete sich sein Kampf gegen das Staatskirchentum der kath. Kantone. Die Folge waren ständige Konflikte mit deren polit. und kirchl. Führern. So beanspruchte er in den Zisterzienserinnenklöstern Eschenbach und Rathausen das Visitationsrecht und übertrug 1649 die dortige Beichterlaubnis den Jesuiten. Mit der Ernennung des auch in der Schweiz umstrittenen Jodok Knab zum Bf. von Lausanne verärgerte er 1652 Frankreich und Savoyen. Der grosse Widerstand gegen B. bei den kath. Orten führte schliesslich dazu, dass diese sich gegen die ausserordentl. Vollmachten des Nuntius wehrten und nach dem Weggang B.s (1652) in einem Protestbrief an den Papst die Berücksichtigung der Gebräuche und der überlieferten Rechte durch die künftigen Nuntien forderten.


Literatur
DHGE 9, 301 f.
DBI 9, 41-43, (mit Literaturverz.)
HS I/1, 47
– U. Fink, Die Luzerner Nuntiatur 1586-1873, 1997

Autorin/Autor: Urban Fink