No 17

Savoyen, Ludwig II. von (Waadt)

geboren zwischen 1283 und 1293 ,gestorben zwischen dem 18. und dem 29.1.1349, begraben Hautecombe (Savoyen). Sohn von Ludwig I. ( -> 16). ∞ 1309 Isabelle von Chalon-Arlay, Tochter des Johann. Schwager des Johann von Chalon. 1302 wurde S. Herr der Waadt und strebte wie sein Vater nach fürstl. Macht. Er machte seinem Onkel Amadeus V. ( -> 1) die Nachfolge von Gf. Philipp I. ( -> 20) streitig und einigte sich mit ihm in den Verträgen von 1314 und 1321. Dabei verzichtete er endgültig auf die Teilung der Grafschaft und anerkannte die lehensrechtl. Unterstellung der Baronie Waadt, wofür er im Gegenzug erhebliche finanzielle Vorteile erhielt. S. festigte dauerhaft die savoy. Macht in seiner Apanage, indem er die Herrschaftsrechte zahlreicher Klöster (Hautcrêt, Oujon, Bonmont) an sich zog. Zudem baute er die Verwaltung aus und liess mehrere Urbare sowie 1320 und 1339 ein Chartular anlegen. Er brachte auch den Waadtländer Adel zunehmend unter seine Kontrolle und band diesen in das administrative und militär. Gefüge S.s ein. Sowohl bei der eigenen Eheschliessung als auch der Verheiratung seiner Schwestern (Blanche wurde die Frau von Peter II. von Grandson) und seiner Kinder Johann und Katharina ( -> 15) betrieb S. eine geschickte Heiratspolitik, mit der er sich die Unterstützung des Hochadels der Grafschaft sicherte (wiederholte Verschwägerung mit den Chalon).

S. behauptete sich auch auf dem europ. Parkett. An der Seite von Amadeus V. spielte er eine herausragende Rolle beim Italienfeldzug Heinrichs VII.: Er wurde 1310 zum Senator von Rom ernannt und begleitete Heinrich bis zu dessen Kaiserkrönung in Rom 1312. Ab 1330 weilte S. häufig in Paris und verkehrte am Hof Philipps VI., der ihn 1337 zum Souverain maître de la chambre des comptes (oberster Berater des Rechnungshofs) ernannte. Auf franz. Seite beteiligte er sich an den ersten Feldzügen im Hundertjährigen Krieg, kam jedoch bei der Schlacht von Crécy 1346 zu spät. Nach dem Tod seines einzigen Sohns in der Schlacht von Laupen 1339 regelte er seine Nachfolge und vermachte die Baronie im Testament von 1340 seiner Tochter Katharina, wofür er 1341 die Zustimmung von Gf. Aymon erhielt. Nach dessen Tod 1343 wurde er Mitvormund des jungen Amadeus VI. ( -> 2), wodurch er in der Grafschaft faktisch die Macht innehatte.


Literatur
– J. Cordey, Les comtes de Savoie et les rois de France pendant la guerre de Cent ans, 1911
– C.A. Gerbaix de Sonnaz, «Mémoire historique sur Louis II de Savoie, Sire de Vaud, sénateur de Rome (1310-1312)», in Mémoires de l'Académie des sciences, belles-lettres et arts de Savoie, Ser. 5, Bd. 1, 1911, 1-136
– B. Galland, Les papes d'Avignon et la Maison de Savoie, 1998, 216-220
Documenti sull'attività della cancelleria sabauda a metà del secolo XIV, hg. von A. Barbaglia et al., 2001
– B. Andenmatten, La maison de Savoie et la noblesse vaudoise (XIIIe-XIVe s.), 2005

Autorin/Autor: Bernard Andenmatten / EM