No 16

Savoyen, Ludwig I. von (Waadt)

geboren nach 1253 ,gestorben um den 13.1.1302 Neapel. Sohn des Thomas, ehem. Grafen von Flandern, und der Beatrice Fieschi, Nichte von Papst Innozenz IV. Enkel von Thomas I. ( -> 21), Neffe von Peter II. ( -> 19). ∞ 1) 1283 Jeanne de Montfort (gestorben 1293), Witwe des Gf. Guy VI. de Forez, 2) 1301 Isabelle d'Aulnay, aus einer Fam. im Umkreis der Kg. von Anjou. S. verfolgte anfänglich eine geistl. Laufbahn und besass bereits Benefizien in England, als er 1270-71 vermutlich am Kreuzzug Ludwigs IX. teilnahm. Ab 1282 bereitete er sich auf die Nachfolge seines Onkels Philipp I. ( -> 20) vor, nahm in der Waadt zahlreiche Huldigungseide entgegen und sicherte sich die Unterstützung Rudolfs I. von Habsburg, obwohl dieser ein Gegner der Savoyer war. Er festigte die savoy. Stellung im westl. Genferseegebiet mit der Gründung von Morges (1286) und dem Sieg über die Cossonay-Prangins, deren Kastlaneien Prangins und Nyon er beschlagnahmte. Der Streit mit seinem Bruder Amadeus V. ( -> 1) um das savoy. Erbe wurde durch mehrere Schiedssprüche beigelegt, die S. die Waadt, Bugey und Valromey zuteilten. Dadurch begründete er die Linie der Herren der Waadt, eines jüngeren Zweigs der S.-Waadt, gab sich aber mit seinem niederen Rang nicht zufrieden. Er unterhielt persönl. Beziehungen zur Freigrafschaft Burgund und zu Alemannien, empfing Huldigungseide und erwarb 1297 das Burgrecht von Bern. Da S. nach der Fürstenwürde strebte, trug er wiederholt den Grafentitel und liess trotz Protesten der Bf. von Genf und Lausanne Münzen prägen. 1295-96 gründete er in Nyon ein Franziskanerkloster, wohin er sich im Fall einer Erkrankung zurückziehen wollte. S. starb aber auf einer Militärexpedition am Hof Karls II. von Anjou.


Literatur
HS V/1, 404 f.
– O. Dessemontet, «Le testament de Jeanne de Montfort dame de Vaud», in Nouvelles pages d'histoire vaudoise, 1967, 45-61
– B. Resmini, Das Arelat im Kräftefeld der franz., engl. und angiovin. Politik nach 1250 und das Einwirken Rudolfs von Habsburg, 1980, 195-207
– B. Andenmatten, La Maison de Savoie et la noblesse vaudoise (XIIIe-XIVe s.), 2005

Autorin/Autor: Bernard Andenmatten / MD