10/01/2003 | Rückmeldung | PDF | drucken

Boswil

Polit. Gem. AG, Bez. Muri, am Osthang des Lindenbergs im Bünztal. 874/887 Bozwila. 1765 709 Einw.; 1850 1'249; 1900 1'246; 1950 1'463; 2000 2'308. Jungsteinzeitl. Streufunde am ehemaligen Bünzersee, kelt. Gräberfeld im Heuel, Mauerwerk eines röm. Gutshofes in den sog. Abendächern und Fundamente eines abgebrannten Wohnkomplexes bei der seit 1111 dem Kloster Muri inkorporierten St. Martinskapelle. Im FrühMA entwickelte sich der Kelnhof der in B. begüterten Fraumünsterabtei als wirtschaftl. und niedergerichtl. Zentrum des Dorfes und des späteren Amtes B. Vom 11. Jh. an war B. Teil des habsburg. Amtes Muri und wurde später - wie auch der zur Gem. B. gehörende Sentenhof - in den Niedergerichtsbezirk des Klosters Muri integriert. Die im 9. Jh. erw. Kirche der Gotteshausleute des Zürcher Fraumünsters wurde im 13. Jh. erweitert und zur Kirchenburg umfunktioniert. Im SpätMA war B. Zentrum einer Grosspfarrei, welche die heutigen Gem. B., Bünzen, Waldhäusern, Besenbüren und Waltenschwil umfasste. Die heutige neugot. Pankrazius-Kirche westl. der alten Kirchenanlage wurde 1890 eingeweiht. Die alte Kirche dient heute als Kulturzentrum mit internat. Ausstrahlung. Auf dem alten Kirchhügel einstiger Stammsitz der Herren von B. 1415 kam B. unter eidg. Herrschaft und geriet nach der Reformation ins Spannungsfeld konfessioneller Machtinteressen. In den 1830er und 40er Jahren fanden in B. Volksaufläufe, zunächst gegen die konservative, dann gegen die liberal-radikale Aarauer Politik statt. Nach Entsumpfung des Bünzermooses (1870-82) wurde zunächst privat, z.Z. der beiden Weltkriege auch gewerbl.-industriell Torf abgebaut. 1875 erfolgte der Anschluss B.s an die Südbahn. Zwischen 1939 und 1990 sank der Anteil im 1. Sektor Beschäftigter von 72 auf 11%. Das Arbeitsplatzangebot beträgt heute 700 Stellen in ca. 140 Betrieben.


Literatur
– F. Kretz, B. -- Freiamt, 1991

Autorin/Autor: Franz Kretz