26/01/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken
No 1

Davel, Jean Daniel Abraham

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getauft 20.10.1670 Morrens (VD),gestorben 24.4.1723 Vidy (Gem. Lausanne), ref., von Riex. Sohn des François (gestorben 1676), Pfarrers, und der Marie Langin. Ledig. Ab 1676 lebte D. in Lausanne, wo er das Collège besuchte. Ab 1688 war er als Notar des Vogts und Vermessungskommissar in Cully tätig. 1692 trat er in die Dienste Wilhelms III., des Statthalters der Niederlande und Kg. von England; 1708-11 diente er dem franz. König. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war er ab 1712 wieder Notar in Cully. Im selben Jahr nahm er am 2. Villmergerkrieg teil, in dem er sich durch seine kühle Gelassenheit auszeichnete. Bern ernannte ihn 1717 zum grand-major (daher sein Name Major D.) und zum Kommandanten des Kreises Lavaux. Die Unzufriedenheit der Waadtländer, die v.a. in den Auseinandersetzungen um die Formula Consensus zum Ausdruck kam, und der Glaube, von Gott berufen zu sein (eine junge Frau, die sog. schöne Unbekannte, hatte ihm während der Weinlese 1691 sein Schicksal vorausgesagt), bewogen D., die Befreiung der Waadt zu planen. Am 31.3.1723, als alle Vögte zur Neuverteilung der Regierungsämter in Bern weilten, mobilisierte der Major 600 Mann und marschierte mit ihnen nach Lausanne. Im Rathaus sprach er zu den Ratsherren der Stadt, die vortäuschten, ihm zuzustimmen. Sie benachrichtigten jedoch die bern. Obrigkeit, die D. am nächsten Morgen verhaften liess. Sein mehrere Seiten umfassendes Manifest, in dem er die Berner Herrschaft heftig anklagte, wurde als Akt der Rebellion beurteilt. Das Lausanner Gericht der Bürger der Rue de Bourg verurteilte ihn zum Tode durch Enthauptung.

Die bern. Obrigkeit versuchte, die polit. Botschaft D.s zu entkräften, indem sie den Major als Aussenseiter und Erleuchteten diskreditierte. Sie konnte aber nicht verhindern, dass Berichte über das Ereignis zirkulierten. Man achtete D.s Mut und seine Seelengrösse. Später wurde D. zum waadtländ. Freiheitshelden, jedoch noch nicht während der waadtländ. Revolution 1798, sondern erst ab 1840, als der freie Zugang zu den Archivdokumenten ein besseres Verständnis des Aufstandes gestattete. Juste Olivier war der Erste, der 1842 diese Quellen auswertete. Frédéric-César de la Harpe, der die offizielle Einschätzung von D.s Handlungen zunächst geteilt hatte, verteidigte schliesslich dessen Andenken. 1839 wurde in der Lausanner Kathedrale eine Gedenktafel angebracht. Denkmäler, literar. Darstellungen, Dramen, Gemälde (v.a. jenes von Charles Gleyre, 1850), hist. Arbeiten und Gedenkfeiern machten den Major endgültig zum Freiheitshelden des waadtländ. Volkes und zum Märtyrer, der es gewagt hatte, Bern die Stirn zu bieten.


Archive
– BCUL, Nachlass
Literatur
– M. Mercier-Campiche, L'affaire D., 1970
Encycl.VD 4, 149-153
– G. Coutaz, «Etude historiographique et archivistique des documents de l'affaire D.», in RHV, 1989, 21-56

Autorin/Autor: Gilbert Coutaz / AW