Staufen

Polit. Gem. AG, Bez. Lenzburg. Dorf am östl. Fuss des Staufbergs, zu Beginn des 21. Jh. mit Lenzburg zusammengewachsen. 1101 Stoufen. 1764 276 Einw.; 1850 758; 1900 818; 1950 1'325; 1960 1'880; 2000 2'213. Feuersteingeräte aus dem Neolithikum, auf dem Staufberg Funde aus der Eisen- und Römerzeit sowie Körpergräber aus dem FrühMA. Die hohe Gerichtsbarkeit lag bei den Habsburgern, war Anfang des 15. Jh. an die Fam. Ribi verliehen und gelangte 1433 definitiv an Bern. Über das Niedergericht verfügte das Stift Beromünster bis 1362, nachher das Kloster Königsfelden. Nach dessen Aufhebung 1528 bildete S. vorerst einen eigenen Gerichtsbezirk und wurde nach 1550 und vor 1560 mit Hunzenschwil, Niederlenz und Rupperswil zusammengelegt. Die Gem. trat 1507 in einem Weidgangsstreit auf. Eine Schule besteht seit spätestens 1659. Die erste Kirche (Laurenzpatrozinium) auf der markanten Kuppe des Staufbergs stammt aus dem 10. Jh.; sie wurde nach einem Brand 1419-20 durch einen Neubau mit bedeutenden Glasfenstern ersetzt. Der Kirchensatz gehörte zu drei Vierteln Beromünster, zu einem Viertel Allerheiligen in Schaffhausen und kam 1312 bzw. 1330 an Königsfelden. Die Pfarrei bzw. Kirchgemeinde umfasste neben S. Schafisheim, Niederlenz, einen Teil von Dottikon (bis 1531) und bis 1565 Lenzburg, Hendschiken, Möriken und einen Teil von Othmarsingen. Wirtschaftlich dominierte die Landwirtschaft, wobei im 18. Jh. der Südhang des Staufbergs grossteils mit Reben bepflanzt war, die um 1900 verschwanden. Im 20. Jh. wurden Obst und Beeren für die Konservenindustrie angebaut. Im 18. Jh. kam die Baumwollverarbeitung auf. S. wurde im 19. Jh. von mehreren Dorfbränden betroffen, denen insgesamt 29 Häuser zum Opfer fielen. Das Bevölkerungswachstum seit 1900 beruhte vorwiegend auf auswärtigen Arbeitsplätzen, vorerst auf solchen in Lenzburg. Infolge der guten Verkehrsverbindungen (A1, Eisenbahn mit Schnellzugshalt in Lenzburg) waren 2000 fast 87% der in der Gem. wohnhaften Erwerbstätigen Wegpendler (v.a. nach Zürich und Aarau).


Literatur
– H. Furter, Chronik Gem. S., 1980

Autorin/Autor: Felix Müller (Brugg)